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29. Mai 2017

Kein Bock auf Schule

Was tun, wenn das Kind plötzlich nicht mehr gern zur Schule geht? Ein «Schulverleider» kann viele Gründe haben, sagt die Elternberaterin Daniela Schlegel. Wichtig ist, dass das Kind von den Lehrerinnen und Lehrern Wertschätzung erfährt.

banale Dinge, die Kinder quälen?
Oft sind es scheinbar banale Dinge, die Schulkinder quälen: Eltern müssen diese Probleme ernst nehmen und thematisieren. (Bild: Getty Images)

Anias (10) ist in der vierten Klasse, die Schule hat ihm immer Spass gemacht. Doch jetzt ist plötzlich alles anders. «Ufzgi mache ich keine. Schule ist sowieso doof», brummelt er, als sein Mami Andrea (38) nachfragt, ob die Aufgaben gemacht seien. Auf ihre überraschte Frage, was denn los sei, bekommt sie nur ein abweisendes «Es bringt sowieso nichts!» zur Antwort.
Sie denkt, das wird sich hoffentlich bald wieder legen.

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Wie motivieren Sie Ihr Kind für die Schule, wenn es Anzeichen des Verleiders zeigt?


«Der ‹Schulverleider› kann ­unterschiedlichste Gründe haben», ­erklärt Daniela Schlegel (47), ­Erwachsenenbildnerin und Geschäftsführerin des Family Coaching Centers in Wädenswil ZH. «Oft gibt es einen Auslöser von aus­sen.»
Es kann sein, dass ein Kind das Gefühl hat, zu wenig Freizeit zu haben, weil die Tage vollgepackt sind. Es kann auch sein, dass es von Eltern oder Lehrern den Eindruck erhalten hat, es sei nicht gut genug in der Schule, oder dass es seinen eigenen Ansprüchen nicht genügt. Unstimmigkeiten mit den Gspänli können ebenso ein Grund sein wie das Gefühl, von der Lehrperson nicht wahrgenommen zu werden.

Wettbewerb, Überforderung oder Lehrerbeziehung

«Ein einziges kleines Erlebnis genügt, und der ‹Verleider› entsteht», sagt Schlegel, die schon viele ­Eltern, Kinder und Jugendliche gecoacht hat. Eine einzige schlechte Prüfung, eine Bemerkung des Lehrers, eine Zurückweisung der ­Gspänli – all dies kann als Auslöser genügen, dass sich das Kind schlecht fühlt. Denn: Kinder messen sich, wollen gut sein und dazu­gehören.
«Es kann etwas Banales sein, das wir Erwachsene unproblematisch finden, das Kind aber persönlich genommen hat», sagt die Elternberaterin.

Manchmal ist auch Überforderung der Grund für den Verleider. «Denn Kinder haben heute oft ein Riesenprogramm neben der Schule.»
Und es kommt auch vor, dass sich das Kind der Meinung von Schulkameraden anschliesst und die Schule plötzlich uncool findet. Diese Stimmung kann rasch wieder kehren. Zentral für die Schulmotiva­tion ist eine gute Beziehung zu den Lehrern, sagt Schlegel: «Ein Kind braucht das Gefühl, wertgeschätzt und gemocht zu werden.» 

Autor: Claudia Langenegger