Archiv
27. Mai 2013

Karate im Buchsbaum

Hobbygärtnerin Almut Berger ortet nach den FKK-Schnecken bereits den nächsten Feind in ihrem Garten: Diesmal greift sie aber nicht zur Schere, sondern setzt auf Karate.

Buchsbaum
Der Buchsbaum im «Bohne, Bluescht & Berger»-Garten.
Da ist der Buchs noch fast gesund
Da ist der Buchs vom Nachbarn noch fast gesund.

Die Schwester meines Herzensmanns betreibt eine Ein-Frauen-Gartenpflegefirma. Das soll jetzt aber keine Schleichwerbung sein, diese Information ist notwendig, um zu verstehen, warum ich mich in den letzten Tagen vor einem Telefonanruf ihrerseits gefürchtet habe. Sie pflegt nämlich unter anderen auch diverse Gärten in unserem Wohnquartier und hat in der Folge immer den Überblick, was in meiner Nachbarschaft wächst und gedeiht, aber auch kreucht und fleucht.

Und darum geht es hier. Denn was seit 2008 leider auch im Zürcher Oberland jeweils erst kriecht und dann fliegt, nennt sich Cydalima perspectalis, für Gartenlaien wie mich bekannter unter dem Namen Buchsbaumzünsler. Der Zünsler ist ein ostasiatischer Kleinschmetterling, der durch den internationalen Pflanzenhandel eingeschleppt wurde und sich hier äusserst wohlfühlt, da er keine natürlichen Feinde hat.

Cydalima perspectalis
Cydalima perspectalis oder Buchsbaumzünsler.

Wann Cydalima perspectalis erstmals in meinem Garten zugeschlagen hat, habe ich verdrängt. Erstes Opfer war auf jeden Fall ein Mini-Buchs in einem Topf. Wahrscheinlich war der Zünsler aber schon länger undercover da, und ich habe damals einfach nicht kapiert, was das für seltsame weisse Fäden sind, welche die Blätter des Buchses ganz schmierig werden lassen.

Heute weiss ich, dass wenn es schmiert, Hopfen und Malz respektive der Buchs fast schon verloren ist. Denn dann hat Frau Buchsbaumzünsler bereits ihre Eier platziert, aus denen kurz darauf die Raupe Nimmersatt und ihre unzähligen Geschwister schlüpfen. Und die kennen bis zu ihrer Verpuppung nur ein Thema: fressen, fressen und nochmals fressen, bis er im schlimmsten Fall hinüber ist, der Buchs.

Grosser Buchsbaum
Ein grosser Buchsbaum.

Vorgestern Abend war es dann so weit: Meine Schwägerin meldete erste Feindbewegungen – sechs Gärten weiter gen Nordost. Worauf ich umgehend in den Vorgarten stürzte, die Taschenlampe im Anschlag. Hier steht mein grösster Gartenstolz, eine Buchsbaumkugel, eineinhalb Meter Durchmesser, die ich vor 19 Jahren aus einem Steckling von einem Friedhof stibitzt und selber gezogen habe. Und tatsächlich: Da war es, dieses feine Gespinst. Und dort? Ein, zwei, drei Raupen, die seelenruhig vor sich hin kauten.

Und falls Sie jetzt wissen wollen, was ich gemacht habe? Das, was ich bereits letzten Frühling gemacht habe, als ich merkte, dass es wirklich um Sein oder Nichtsein meines Buchses geht: Ich habe meine Schwägerin umgehend zurückgerufen und ihr die Lizenz zum Töten verliehen.

Und wie schon letztes Jahr wird sie auch heuer bis Ende Oktober Buchs und Fressmaschinen fünf- bis sechsmal mit einem Insektizid einnebeln. Erst biologisch-dynamisch korrekt mit Delfin, und wenn das nicht reicht, mit Karate, einer grauslig stinkenden Spritzbrühe, die nur von Profis ausgebracht werden darf.

Weisse Fäden und der Buchs ist hinüber
Weisse Fäden und der Buchs ist schon fast hinüber...

Wer jetzt sagt: Beim Gebrauch von Schneckengift ziert sie sich, aber gegen den Zünsler greift sie zur Atombombe, dem sei Folgendes gesagt: Fifty-fifty funktioniert vielleicht bei den Schleimern, aber definitiv nicht bei Raupe Nimmersatt. Besonders perfide ist ja auch, dass wenn der Nachbar links nichts gegen den Zünsler unternimmt, beim Nachbar rechts eine neue Geschwadergeneration bis zu drei Mal pro Sommer einfliegt. Und alle haben sie nur ein Ziel: meinen, deinen, unseren Buchs!

Ist der Buchsbaumzünsler auch schon in Ihrem Garten gelandet?

Schütteln Sie noch oder greifen Sie schon zu gröberem Geschütz? Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Ihr Wissen mit anderen Gartenfreunden gleich anschliessend in einem Kommentar mit, oder erstellen Sie (nach der Registration) mit Anleitungen, Tricks und einem Bild aus Ihrem Garten einen eigenen Artikel (Infos zu beidem siehe auch rechts).

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger