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05. August 2013

Kapitalismus ist sozial

In der Serie «Jungpolitiker über Dutti» beantworten fünf Nationalräte von CVP, FDP, Grüne, SP und SVP unter 35 Jahren dieselben acht Fragen. Diesmal mit Andrea Caroni (33), FDP-Nationalrat, Appenzell-Ausserrhoden.

Andrea Caroni
Andrea Caroni (33), FDP-Nationalrat, Appenzell Ausserrhoden. (Bild zVg)

Was kommt Ihnen spontan in den Sinn, wenn Sie den Namen Gottlieb Duttweiler hören?

Als Erstes kommt mir das Kinoplakat seines Films in den Sinn, worauf er mit aufgesetztem Strohhut in einem See schwimmend zu sehen ist. Und natürlich verbinde ich auch die Migros und den Migros-Wagen, den ich als Kind noch miterlebt habe, mit seinem Namen.

Wie stehen Sie zur Politik, die er zeit seines Lebens gemacht hat?

Als Freisinniger fasziniert mich am meisten, wie er als Unternehmer an Grenzen stiess und den Weg als Politiker freimachte. Solche Personen gibts heutzutage leider viel zu wenig – Unternehmer machen lieber die Faust im Sack und hoffen, dass die Parteien die Probleme lösen. Deshalb bewundere ich Duttweiler umso mehr.

Beeinflusst Duttweiler Ihre politische Arbeit oder die Art des Politisierens?

Das wäre ein bisschen übertrieben. Mich beeindrucken zwar viele seiner Ideen, aber andere Ideen, insbesondere die Einführung einer Sondersteuer zur Anschaffung von 1000 Kampfflugzeugen, scheinen mir dann doch übertrieben.

Es gibt ein berühmtes Zitat von ihm: «Wir glauben, dass in der kommenden Zeit nur ein Kapitalismus sich behaupten kann und muss, der sich über soziale Leistungen ausweist.» Stimmen Sie zu?

Kapitalismus an sich ist etwas Soziales. Denn der Unternehmer oder der Kapitalist kann nur überleben, wenn er seinen Kunden Nutzen bringt. Das hat Duttweiler vorgelebt wie fast kein Zweiter. Er führte eine riesige Produktpalette für die breite Masse ein, die davon profitierte und einen höheren Wohlstand erreichte. Ich denke beispielsweise an Lebensmittel, Bildungsangebote oder Reisen. Zudem nahm er auch sich selbst in die Pflicht und sagte etwa, dass Unternehmer für Schäden an der Umwelt Verantwortung übernehmen müssten.

Sehen Sie heute eine ähnliche Figur in der Schweizer Politik, wie sie Duttweiler war?

Ich glaube nicht, dass man ihn mit jemandem vergleichen kann. Ich wüsste keinen Politiker, der alle seine Eigenschaften auf sich vereint. Aber eine Kombination aus ein paar Freisinnigen ergäbe vielleicht einen Duttweiler (lacht).

Bei welchen Themen würde er sich heute besonders engagieren?

Er müsste beim Thema Ladenöffnungszeiten einen Kahlschlag machen und die komplizierte Mehrwertsteuer vereinfachen. Mich persönlich würde ausserdem seine Meinung zum Alkoholmarktgesetz interessieren, weil er da schon sehr früh eine spezielle Position bezogen hat.

Würde Gottlieb Duttweiler gut in die heutige FDP passen?

Selbstverständlich. Wir stehen wie er für Selbstverantwortung der Unternehmer in einer freiheitlichen Ordnung. Auch ist uns Transparenz gegenüber den Konsumenten wichtig, z.B. bei der Herstellung von Lebensmitteln.

In der Serie «Jungpolitiker über Dutti» beantworten fünf Nationalräte von CVP, FDP, Grüne, SP und SVP unter 35 Jahren dieselben acht Fragen. Die nächste Folge mit SP-Nationalrätin Nadine Masshardt .

Autor: Reto Vogt