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11. November 2013

Kantonsgrenzen erkunden

Über die Rigi, in der Drei-Seen-Region oder im Gebirge: lohnende Erkundungswanderungen auf Schweizer Kantonsgrenzen in der Zentral-, West- und Südschweiz. Wie lautet Ihr Tipp?

Trassee der Rigi-Bergbahnen
Trassee der Rigi-Bergbahnen bei der Station Staffel. (Bild zVg)

IM HERZEN DER INNERSCHWEIZ: die Rigi zwischen Luzern und Schwyz
Auch für die Übergangszeit bestens geeignet ist die Erforschung eines Abschnitts der Grenze Schwyz–Luzern am Zentralschweizer Hausberg Rigi. Dank Bergbahnen halten sich sowohl physische Anstrengung wie auch zeitlicher Aufwand im überschaubaren Rahmen. Der Tagesausflug mit einem zweistündigen Spaziergang (nach Wunsch mehr) bietet Nah- und Fernsicht auf die Flanken der Rigi, den Vierwaldstätter- oder den Zugersee und benachbarte Regionen der Innerschweiz sowie einige Einkehr-Varianten in Gasthäusern mit zumeist einladenden Terrassen. Allerdings gilt es, möglichst keinen sonnigen Samstag oder Sonntag der warmen Jahreszeit zu wählen, weil sich dann die Ausflügler auf den gängigsten Pfaden beinahe stauen.

Der Tipp: Am einfachsten reist man mit dem Zug oder PW nach Arth-Goldau und wählt dann die Rigi-Bahn bis zur Haltestelle Klösterli (sollen die anderen allein bis Kulm weitertuckern). Schon kurz vor dem Klösterli hat man sich von Schwyzer Seite bis auf weniger als einen Kilometer der Luzerner Grenze angenähert. Nun folgt man dem Fussweg zur Heinrichshöhe – das einzige schweisstreibende, jedoch im Handumdrehen zurückgelegte Wegstück. Alsbald wandelt man sanfter ansteigend auf dem Strässchen rund einen Kilometer bis zum Hotel Rigi First, wo ein Kaffee oder mehr die Unentwegten erwartet. Nach der Pause führt der Obere Firstweg nach bereits 250 Metern über die Kantonsgrenze. Wer mag, gönnt sich bereits in der „Bergsonne“ eine grössere Stärkung und geniesst die veränderte Aussicht. Der Fyrabigweg und der Staffelhöhenweg bringen einen unter der Bahn (Vitznauer Arm) hindurch hinter die Station Staffelhöhe und zum „Edelweiss“, sicher Zwischenstation für die „Bergsonne“-Verweigerer und wiederum fast genau auf der Kantonsgrenze. Wer genug hat, nimmt die Bahn von Staffelhöhe bis Kulm, hinunter nach Vitznau oder (mit Wechsel auf Kulm oder Staffel) nach Goldau zurück. Die anderen geniessen einen malerischen Rundweg von nicht einmal drei Kilometern, der mit ein paar lohnenden Blicken auf den Luzerner und den Küssnachter Arm des Vierwaldstättersees erst nach Südwesten, nach einem Knick Richtung Südosten dann nach Rigi Kaltbad First führt.
IM SENSEGRABEN: Die Wald-Wiesen-Trennlinie zwischen Freiburg und Bern
Im Westen mal etwas Neues: Statt Unkundige in der Dreiseenregion zwischen Murten- und Neuenburgersee zu einem verwirrenden Grenzhüpfen durch vier Kantone zu schicken, muten wir ihnen eine der klarsten Kantonsgrenzen überhaupt zu – eine bildschöne und über weite Strecken unspektakulär stille obendrein: Etliche Kilometer liegt die Grenze zwischen den Kantonen Freiburg und Bern auf der Sense und ihrem meist zerklüfteten Flussbett. Hier trifft sich trotz landschaftlich klaren Unterschieden zwischen Freiburgs Feldern und Wiesen einerseits und dem mal lockeren, mal dichten Waldgebiet am Rande des Berner Gantrisch einträchtig, was sich sonst in den Eishockey-Arenen beider Hauptstädte fetzt.

Der Tipp: Anreise nach Thörishaus BE, fast schon an der Sense und der freiburgischen Grenze. Danach folgt man gut drei bis knapp vier (bei gemächlichem Tempo) Stunden dem klassischen Jakobsweg bis Schwarzenburg.
Der Weg verläuft anfangs von Thörishaus erst direkt an die Sense und auf Berner Seite über Unter Far und Gäu bis zum Einfluss des Schwarzwassers in die Sense zwischen Hinterried und Riedburg. Weil das direkte Verfolgen der Sense danach topografisch schwierig wird, verlassen wir ihr unwirtliches Bett und wandern auf der Nordseite des Schwarzwassers bis kurz nach dem Zufluss des Trüebbachs. Hier überquert man den Bach und steigt südlich zu den Weilern Sack und Nidig auf. Weiter gehts über Chrummoos, Hällstett und Huusmatt bis ins Zentrum von Schwarzenburg.
INS GEBIRGE: Lücken im Hochkamm zwischen Wallis und Tessin
Etwas für sportlichere Wanderer, Gebirgsfans und klar für Sommer- bis Frühherbsttouren ist das Erkunden der Tessin-Walliser Kantonsgrenze nahe dem Gebirgskamm zwischen Bedrettotal (Tessin) und dem Goms (Wallis). Die spitzen Zacken und damit klettertechnisch bedeutenden Passagen lassen wir zwar aus, aber am Anfang gilt es doch etliches an Höhenmetern zu meistern. Dafür entschädigt eine kaum je von Ausflüglern heimgesuchte Gegend mit malerischer Aussicht, Bergseen, Höhenwegen und stotzigen Alpen.

Der Tipp: Am Vortag der Tour Anreise ins Bedrettotal, am einfachsten nachmittags von Airolo mit dem Postauto bis Haltestelle All’Acqua am Nufenenpass. Danach dem Wanderweg rund eine Stunde und knapp 400 Höhenmeter bis zur SAC-Hütte Piansecco auf 1984 m ü. M. folgen (zur Sicherheit im Vorfeld Plätze reservieren – bei schönem Wetter absolvieren einige Leute den Bedretto-Höhenweg).
Am nächsten Morgen früher Abmarsch Richtung Gerenpass auf der Kantonsgrenze. Für diesen anstrengenden Teil der Strecke müssen in zweieinhalb bis drei Stunden 700 Höhenmeter überwunden werden. Oben geniesst man neben nahen Blicken Richtung Goms und zurück ins Bedretto vor allem die Aussicht auf die markanten Berner Gipfel. Weiter belohnt wird man in den folgenden Stunden – im Wallis vom Chüebodengletschersee bis zur Gonerlilücke und danach wieder im Tessin über den oberen Pizzo-Gallina-See hinab auf die Nufenen-Passhöhe – durch eine abwechslungsreiche Alpingegend mit schroffen Gipfeln und zwei hübschen Hochtälern. Nach den insgesamt zirka acht Stunden Laufzeit reist man mit dem Postauto hinab nach Ulrichen VS oder zurück nach Airolo TI. Achtung: Für das letzte Postauto knapp nach 18 Uhr muss bis zum Vortag, 16 Uhr reserviert werden.
KARTENANSICHT: Fürs Erste http://maps.google.ch, sonst Online- und konventionelles Material von Swisstopo.
Weitere Vorschläge mit Passagen von Kantonsgrenzen auf www.schweizmobil.ch.

Und Ihre Route entlang der Kantonsgrenze?

Verraten Sie uns Ihren Lieblingsausflug, der mindestens ein (kurzes) Stück entlang einer Kantonsgrenze verläuft.

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Autor: Reto Meisser