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07. Oktober 2013

Kamera zum Telefonieren

Nokia verbaut in seinem Smartphone Lumia 1020 eine Kamera mit 41 Megapixeln. Welche Fotoqualität das rund 720 Franken teure Gerät bietet, verrät der Test.

Nokia Lumia 1020

Telefonieren wird zur Nebensache. In Nokias Lumia 1020 ist eine 41-Megapixel-Kamera integriert, die eine mehr als viermal höhere Bildqualität suggeriert, als sie jedes andere Smartphone ermöglicht. Die Kamera hat im erstaunlich flachen Gerät zu wenig Platz und steht wegen ihrer sechs Linsen und dem für Telefonverhältnisse grossen Sensor (1/1,5 Zoll) leicht hervor. Dennoch liegt das 160 Gramm schwere Smartphone angenehm in der Hand. Trotz veraltetem Prozessor und nur 2 GB Arbeitsspeicher setzt das Lumia 1020 sämtliche Eingaben auf dem kontrastreichen 4,5-Zoll-Bildschirm schnell um. Normale Smartphone-Funktionen wie Telefonie, SMS, Surfen etc. funktionieren wie gewünscht. Es bietet abgesehen vom Arbeitsspeicher dieselbe Hardware mit wie der Vorgänger Lumia 925 ( zum ausführlichen Testbericht ).

Starke Kamera, schwacher Bildstabilisator

Für das Herzstück des Geräts stehen drei Kameramodi zur Verfügung. Mit der «Smart Cam» lassen sich unter anderem Bewegungsabfolgen auf einem Bild festhalten und der «Cinemagraph» animiert z.B. ein fotografiertes Windrad . Beides sind witzige Spielereien, die für Unterhaltung sorgen. Aber erst die «Pro Cam» holt das Maximum heraus: Sie schiesst im Test Fotos mit einer riesigen Auflösung von 7712 x 4352 Pixel und speichert gleichzeitig eine redimensionierte Version davon ab (3072 x 1728), damit diese aufgrund der etwa fünf bis sechs Mal kleineren Dateigrösse via Internet mit Freunden geteilt werden können. Ohne Qualitätsverlust: Das sogenannte «Pixel-Oversampling» fasst sieben Pixel des Ursprungsbilds in einem zusammen. Dadurch gewinnen die kleinen Bilder in der Praxis deutlich an Schärfe.

Mit Schiebereglern lassen sich ausserdem Weissabgleich, Verschlusszeit, ISO-Werte & Co. definieren.
Mit Schiebereglern lassen sich ausserdem Weissabgleich, Verschlusszeit, ISO-Werte & Co. definieren.

Die Kamera bietet die Möglichkeit, Werte wie Weissabgleich, Verschlusszeit oder ISO-Wert manuell einzustellen. Praktisch: Das Display zeigt sofort, welchen Einfluss Veränderungen auf künftige Fotos haben. Es fehlen allerdings die bei Kompaktkameras beliebten Motivprogramme, die automatisch die richtigen Voreinstellungen für Landschafts- und Nachtaufnahmen oder Porträts wählen. Trotzdem beeindruckt die Qualität der Bilder. Selbst schlechte Lichtverhältnisse können ihnen nichts anhaben. Abzug gibt es nur für den Bildstabilisator: Bei einigen Testfotos sind weit entfernte Objekte verwackelt und damit unscharf.

Download der Testbilder in Originalgrösse

Fazit

Der schwache Bildstabilisator trübt die Freude, wenn aus grosser Distanz fotografierte Objekte herangezoomt werden sollen. Abhilfe würde zum Beispiel ein Stativ schaffen. Aber davon abgesehen leistet die Kamera im Nokia Lumia 1020 gute Arbeit. Bei nahezu allen Lichtverhältnissen gelingen schöne, farbechte Fotos. Obwohl das Gerät verglichen mit der Konkurrenz vor allem wegen der herausstehenden Kamera etwas klobig daherkommt, liegt es erstaunlich gut in der Hand. Es arbeitet im Test zuverlässig und trumpft darüber hinaus mit kostenlosem Kartenmaterial für alle Welt auf. Das ermöglicht in den Ferien kostenlose Navigation zu Fuss und im Mietauto.

Autor: Reto Vogt