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04. Juni 2012

Junge sollen draussen bleiben

Der Bundesrat prüft ein Solariumverbot für Minderjährige. Aber macht ein solcher Schritt überhaupt Sinn?

Schnelles Bräunen vor dem Ausgang gehört bei manchen dazu.
Jugendliche im Solarium: Schnelles Bräunen vor dem Ausgang gehört bei manchen dazu. (Bild bab.ch)

Stars wie Madonna meiden hautalternde UV-Strahlen wie der Teufel das Weihwasser. Unter vielen Jugendlichen ist Braunsein jedoch beliebt wie eh und je. Doch gerade die Benutzung von Solarien im jungen Alter erhöht das Hautkrebsrisiko erheblich. Laut dem Bundesamt für Gesundheit werden Solarien immer früher genutzt. «Kurz bräunen vor dem Ausgang gehört in gewissen Kreisen dazu», sagt Reinhard Dummer (52), stellvertretender Direktor der Klinik für Dermatologie am Universitätsspital Zürich. Ausgerechnet junge Frauen mit heller und daher besonders empfindlicher Haut setzten sich gern der Solariumbestrahlung aus.

Damit könnte bald Schluss sein: Der Bundesrat prüft, ob Minderjährigen der Zutritt zu öffentlichen Solarien verboten wird. Aber ist das wirklich sinnvoll? Man kann den Kids die Sonne ja auch nicht verbieten. «Ja, ein Verbot macht Sinn», sagt Reinhard Dummer. «Die Zusammensetzung der Strahlung im Solarium ist weit heimtückischer, da das Alarmsignal Sonnenbrand kaum ausgelöst wird.» Hinzu kommt, dass viele sich völlig unbekleidet ins Solarium legen. So beobachtet der Dermatologe eine markante Zunahme von Hautkrebs an Körperstellen, die im Normalfall kaum betroffen sind. Etwa am Gesäss oder an Geschlechtsteilen.

Ein Verbot hätte laut Reinhard Dummer einen weiteren Vorteil: Die Behörden müssten eine Kontrolle für die Sonnenstudios entwickeln. Das hätte auch Folgen für die unbedienten Solarien, in denen sich heute jeder so oft und so lange unter die Röhre legen kann, wie er oder sie will — und dabei von niemanden gesagt bekommt, was ein vernünftiger Umgang mit der künstlichen UV-Bestrahlung ist.

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Helfen oder halfen Sie der Bräune auch schon mal künstlich nach?

Autor: Andrea Fischer Schulthess