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23. Januar 2012

«Jugendliche sollen bei ihren Einsätzen Spass haben»

Andreas König (33), Verantwortlicher für Freiwilligenarbeit der Schweizer Jugendverbände (SAJV).
Andreas König (33), Verantwortlicher für Freiwilligenarbeit der Schweizer Jugendverbände (SAJV). (Bild zVg.)

Andreas König, immer weniger junge Schweizerinnen und Schweizer engagieren sich in der Freiwilligenarbeit. Warum?

Jugendliche haben heute ein viel grösseres Freizeitangebot als früher. Zudem sind sie in der Lehre oder im Studium stärker gefordert denn je. Es bleibt wenig Zeit für anderes.

Wie holt man wieder mehr Junge ins Boot?

Am besten per Mundpropaganda. Das hat zum Beispiel mit der Aktion 72 Stunden — ein Projekt der SAJV und ihren Mitgliedorganisationen — bestens funktioniert. Dabei haben rund 28'000 Jugendliche gemeinnützige Arbeiten erledigt, etwa Hecken gepflanzt, Jugendheime renoviert, ein Kochbuch gemacht. So etwas macht andere Junge neugierig.

Wo engagieren sich Junge am ehesten?

Am liebsten möchten sie etwas mit Kindern oder anderen Jugendlichen machen. Projekte mit fixem Zeitrahmen kommen am besten an. Für zeitlich unbeschränkte Engagements wie Vorstandsarbeit ist es hingegen schwieriger, jemanden zu finden.

Aus welcher Motivation setzen sich Jugendliche ein?

In erster Linie wollen sie Spass haben, und das ist auch gut so. Man soll sich für nichts engagieren, das man nicht gern macht. Das gilt auch für Erwachsene.

Aus welchem Grund empfehlen Sie soziales Engagement?

Sobald man in einer Organisation Verantwortung übernimmt, lernt man extrem viel in Sachen Sozialkompetenz, Führungsarbeit, Projektleitung sowie administrative Dinge wie Protokoll führen und Sitzungen organisieren. Jugendverbände wirken auch als Gewalt- und Suchtprävention, weil die Jugendlichen dort in einem festen, sinnvollen Programm eingebunden sind.

Hilft so ein Engagement auch später bei einer Bewerbung?

Je nach Beruf schon. Wenn man am Fliessband steht natürlich weniger, als wenn man ein Team führt. Wir empfehlen auf jeden Fall immer, einen sogenannten Sozialzeitausweis ausstellen zu lassen. Das ist eine Art Arbeitszeugnis für das freiwillige Engagement und kann den Bewerbungsunterlagen beigelegt werden. Das wissen viele nicht.

2011 war auch in der Schweiz das Jahr der Freiwilligenarbeit. Konnte man neue Freiwillige gewinnen?

Für ein Fazit ist es noch zu früh. Von der Kenntnisnahme bis zum Engagement ist es ein langer Prozess. Aber dank der Medienpräsenz wird gemeinnützige Arbeit wieder mehr gewürdigt.

Wohin sollen sich Jugendliche wenden, die sich jetzt engagieren wollen?

Sie sollen sich überlegen, was sie interessiert und dann bei der Gemeinde anfragen, welche Organisationen es dazu vor Ort gibt.

Autor: Yvette Hettinger