Archiv
14. September 2015

Ab jetzt wirds effizient!

Bibäbele war gestern, heute greift die Gartenkolumnistin zum Zweihänder. Schliesslich dauert der Sommer nicht ewig.

Unkraut? Wird ab sofort nur noch oberflächlich entfernt.
Unkraut? Wird ab sofort nur noch oberflächlich entfernt.

Je länger der Sommer (also gut: Spätsommer!), desto schludriger die Frau Bohnebluescht, zumindest in ihrem Garten. Wobei «schludrig» das, was ich eigentlich ausdrücken will, nicht wirklich auf den Punkt bringt. Man könnte auch sagen, ich werde weniger pingelig und damit effizienter:
Züpfelte ich im Juni noch jedes Un- respektive Beikräutli einzeln aus dem Beet, auf dass ja nicht ein Würzelchen im Boden verbleibe, reisse ich jetzt nur noch ganz oberflächlich raus, was mir gerade so ins Auge springt. Goss ich im Juli noch jedes Buschböhnchen einzeln, kriegen jetzt nur noch die Tomaten einen abendlichen Gutsch – soll der Rest sich doch gefälligst selber organisieren. Schnippelte ich im August noch an jeder verblühten Blüte rum, schneide ich jetzt gleich das gesamte Grün ab – bodenerdig.
Statt Pinzette reagiert also sozusagen der Zweihänder (nein, das ist kein neumodisches Garten-, sondern ein altmodisches Kriegsgerät. Mit solchen Zweihändern mähten sich einst die Ritter – gar nicht pingelig – gegenseitig und effizient die Gliedmassen ab.)
Für diesen meinen Paradigmenwechsel gibt es mehrere Gründe:
Erstens war ich im Frühjahr über ein jedes Grün dermassen entzückt, dass ich dieses stante pede unter Naturschutz stellen musste. Alles wurde gebibäbelet. Unterdessen ist es aber so, dass ich vor lauter Grün die Bäume in meinem Garten nicht mehr sehe. Und drum ist jetzt auch nicht mehr jedes Detail gefragt, sondern das grosse Ganze.
Zweitens bin ich im Frühjahr nur so geflutet worden mit Glücksgefühlen: einbuddeln, ausbuddeln, giessen, hochbinden, häckerle und mulchen – all dies liess meinen Serotonin-, Dopamin- und Endorphinpegel durch die Decke schiessen. Unterdessen habe ich dermassen viel eingebuddelt, ausgebuddelt, gegossen, hochgebunden, gehäckerlet und gemulcht, dass mir all dies nur noch ein müdes Lächeln entlockt.
Und drittens muss auch ich, mag ich mir den Spätsommer noch so schönreden, einräumen, dass es in grossen Schritten gen Herbst zugeht: Die Tage werden merklich kürzer, die Abende merklich kühler, und ich, die ich eben noch dermassen viel eingebuddelt, ausgebuddelt, gegossen, hochgebunden, gehäckerlet und gemulcht habe, frage mich plötzlich, ob bei all dem Bibäbele nicht möglicherweise die Musse zu kurz gekommen ist.
Und drum mach ich jetzt einfach nur noch das, was wirklich sein muss, und das möglichst effizient – sprich mit dem Zweihänder. In der übrigen Zeit hänge ich in der Hängematte und schaue zu, wie sich in Nachbars Birken die Stare für ihre Reise in den Süden versammeln. Wenn sie dann aber im nächsten Frühling zurück sind, dann schnapp ich mir auch wieder die Pinzette.

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger