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09. Januar 2012

«Jeder Hund ist gefährlich»

5 Fragen an Rolf Hanimann (57), Präsident der Vereinigung Schweizer Kantonstierärzte und Leiter des Amts für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit des Kantons Graubünden. migrosmagazin.ch liefert den Tagesanzeiger-Artikel, der den Anstoss zu den «5 Fragen» lieferte.

Rolf Hanimann (57)
Rolf Hanimann (57), Präsident der Vereinigung Schweizer Kantonstierärzte und Leiter des Amts für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit des Kantons Graubünden. (Bild: zVg.)

1. In Wil wurde eine Frau von ihren eigenen Hunden lebensgefährlich verletzt. Wie oft kommt so etwas vor, Rolf Hanimann?

Solche Fälle sind krass und bleiben Einzelfälle. Bei uns in Graubünden sind 2011 fast 160 Vorfälle mit bissigen Hunden gemeldet worden. Auch bei uns zeigte sich im Laufe der Verfahren, dass zehn von ihnen ein so grosses Gefahrenpotenzial aufwiesen, dass wir sie einschläfern lassen mussten. Die Zahlen für die gesamte Schweiz sind schwer zusammenzufassen. Jeder Kanton legt in der Einschätzung der Gefährlichkeit eines Tiers andere Beurteilungskriterien zugrunde.

2. Wie gehen Sie nach einer Meldung vor?

Wir versuchen, die Vorgänge zu eruieren, und gewichten die Fakten: In welcher Situation hat der Hund gebissen, wie schwerwiegend sind die Verletzungen? Wie verhält sich das Tier generell? Wie ist das Verhältnis zwischen Halter und Hund? Ein voreilig gefällter Entscheid könnte verheerend sein: Einerseits müssen wir die Gesellschaft vor gefährlichen Hunden schützen, anderseits soll kein Tier zu Unrecht eingeschläfert werden. Das ist eine Gratwanderung.

3. Welche Hunderassen sind besonders gefährlich?

Meiner Meinung nach gibt es ganz wenige Hunderassen, die von Natur aus so aggressiv sind, dass man sie als gefährlich einstufen müsste. Grundsätzlich kann jeder Hund, unabhängig von der Rasse, gefährlich werden. Ich bin auch schon von einem Pudel gebissen worden. Hunde werden gefährlich in unbefugten Händen.

4. Also sind die Halter schuld?

In den meisten Fällen ist das so. Entweder, weil die Person nicht weiss, wie man mit einem Hund richtig umgeht und was seine Bedürfnisse sind, oder weil sie sich einen besonders scharfen, einen «Kampfhund» heranzüchten will.

5. Mit welchen Konsequenzen haben Hundebesitzer zu rechnen?

Die Massnahmen sind vielfältig und sollten individuell angewendet werden. Sie reichen von der Leinenpflicht über die Hundehalterausbildung bis zum Hundehalteverbot. Bei Kampfhunden, die sich Halter typischerweise anschaffen, um sie zu scharfen Tieren zu erziehen, könnte ein Rassenverbot als letzte Konsequenz sinnvoll sein.

Ausschnitt aus dem Tages-Anzeiger-Artikel vom 9. 12. 2011.
Ausschnitt aus dem Tages-Anzeiger-Artikel vom 9. 12. 2011.

Der Bericht: Hier lesen Sie den ganzen «Tages-Anzeiger»-Artikel zum Thema.

Autor: Evelin Hartmann