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14. Januar 2013

Jede Hausfrau weiss...

Bänz Friedli würde Whiskas kaufen, hat aber keine Katze.

Mein Trick, wenn ich mich wieder mal jung fühlen will: Ich gehe an Blueskonzerte. Sogar als bald 48-Jähriger senkt man dort den Altersschnitt. Und jetzt habe ich noch einen Trick: Über uralte Werbeslogans schrieb ich letzte Woche, die mir nicht aus dem Kopf wollen, von meinen Kindern aber – brummle ich sie vor mich hin – mit einem müden «Nid scho wieder, Oldie!» quittiert werden, und mit Oldie meinen sie mich. Slogans der Altersklasse «Katzen würden …». Eben. Und was geschah? Mir wurden haufenweise Sprüche gemeldet, die ich kraft meiner Jugend nicht kannte.

Mit jedem eingehenden Mail fühlte ich mich jünger. Da war zunächst Peter aus Bern mit seinem Lieblingsspot aus guter alter Fernsehzeit: Kind im Bett, Pyjamajacke verrutscht. Sprecher: «In diesem Pütschaama darf Ihr Kind nicht schlafen! Seine Lungen sind nicht geschützt.» Das Kind wird mit einem grossen X durchgestrichen, neues Pyjama, sanfte Musik, in der Stimme nun ein warmer Ton: «Richtig ist das Calida-Pütschaama! Die Calida-Jacke rutscht nicht hoch, die Calida-Hose sitzt angenehm.» Und dann im Dreiklang gesungen: «Ca-li-daaa!» Hatte ich nie gehört, nie gesehen. Meine Frau schon. Dabei ist sie jünger als ich. Aber bei ihnen daheim stand halt schon früh ein TV-Gerät, wohingegen meine bildungsbürgerlichen Eltern Bücher gescheiter fanden. Den ersten Fernseher gabs erst 1973, und auch das nur, weil die Aernis, bei denen wir damals die Mondlandung gesehen hatten, sich einen Farbfernseher anschafften und uns ihre alte Schwarz-Weiss-Kiste überliessen. Erst zur Fussball-WM 1982 hatte Vater ein Einsehen, und ich durfte meine Azzurri endlich azurblau sehen. (Und natürlich auch den Spot «Persil. Da weiss man, was man hat. Guten Abend!» in voller Farbpracht.)

Beflügelnd der Gedanke, dass es Kampagnen gab, an die ich mich nicht erinnere. Die 70-jährige Ursula trumpfte mit «Eva und ihr Apfel, Adam und seine Parisienne!» auf (man kann sich die Bilder dazu lebhaft vorstellen!) und dem schönen, mir bislang unbekannten Reim: «Ich bin der Kater Moro, ich pflege mich mit Speuz, meine Herrin, die braucht Voro, sie ist so schön, mich freuts!» Voro war scheints eine Hautcreme und gereimte Werbung anscheinend en vogue. Rentner Ernst aus Wädenswil hat unzählige solcher Verslein im Gedächtnis: «Jede Hausfrau weiss: Wenn Fett und Öl, dann Sais!», «Vitamine A bis D – Aroser Sonne und Pulverschnee», «Miele, Miele, sagt die Tante, die alle Waschmaschinen kannte», wobei man sich unter «Waschmaschine» einen Bottich vorstellen müsse, in dem ein hölzerner Arm die Wäsche hin und her bewegte. Rolf aus Binningen, betagt auch er, entsinnt sich der Losung «Casimir raucht Capitol» und beglückte mich mit dem Müsterchen: «Müller schiesst ein Bombengoal – hätt Meier ‹Lebewohl› genommen, zu diesem Goal wärs nie gekommen.» Das war vor meiner Zeit, Slogans sind ein Generationenbarometer.

Ein Jahr lang gratis Zahnpasta…
Ein Jahr lang gratis Zahnpasta…

Ein Jahr lang gratis Zahnpasta…

Und dann hat sich doch tatsächlich das Mädchen aus der «Mami, er hat wieder nicht gebohrt!»-Reklame von 1972 gemeldet. 600 Franken habe sie als Neunjährige dafür erhalten und ein Jahr lang gratis Zahnpasta. Karin Schulze ist längst kein Mädchen mehr und heisst auch nicht mehr Schulze, aber noch sei sie «100 Prozent kariesfrei», wie der Slogan damals verhiess. Soll noch jemand behaupten, Werbung lüge.

Bänz Friedli live: als Talkgast in der «Königlichen Residenz» im Hächlerhuus, Lenzburg, 17. Januar

Bänz Friedli (47) lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich.

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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli