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22. Oktober 2014

Japan vor den Toren von Zürich

Am Mutschellen AG befindet sich der einzige Ryokan Europas. Das traditionell eingerichtete japanische Hotel ist auch ein Restaurant, das im neuen GaultMillau 16 Punkte erhalten hat.

Aussicht vom Hasenberg aufs Schweizer Mittelland
Die Aussicht vom Hasenberg aufs Mittelland ist imposant.

Hoteldirektor Masafumi Kurahayashi ist mächtig stolz: Der GaultMillau 2015 adelte sein Hotel Restaurant Ryokan Hasenberg mit 16 Punkten. «Damit sind wir die Nummer 1 im Kanton Aargau. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir mit unserer exotischen japanischen Küche auf einem Hügel im Kanton Aargau so positiv beurteilt werden», sagt der Japaner. Der Hasenberg kann mit weiteren Eckdaten auftrumpfen: Er ist das einzige japanische Restaurant der Schweiz, das zusätzlich mit einem Michelin-Stern dekoriert ist (in ganz Europa gibt es nur fünf «Japaner» mit Michelin-Sternen) und gleichzeitig der einzige Ryokan Europas.

Das Hotelrestaurant ist nach wie vor ein Geheimtipp und befindet sich rund 25 Fussminuten oberhalb von Widen, eben auf dem Hasenberg. Wer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, fährt bis zur Station Berikon-Widen am Mutschellen. Oft holt der Direktor persönlich seine Gäste am Bahnhof ab und fährt sie zum Hasenberg hoch.

Er besticht durch seine privilegierte Aussicht auf das Schweizer Mittelland und authentisches japanisches Essen. Die Frau des Hoteldirektors ist im Kimono gekleidet und öffnet den Gästen die Glastüre. Wer will, speist auf Tatamis, wie sich die traditionellen Matten aus Reisstroh nennen. Angeboten werden nebst Sushivariationen unter anderem auch Kaiseki-Menüs mit Wagyu-Beef direkt aus Japan. Der Hasenberg gilt als erster Importeur des teuersten Rindfleischs der Welt.

Wagyu Beef
Es muss nicht immer Fisch sein: Das Wagyu-Beef vergeht auf der Zunge, ist butterzart.

Im Hotelrestaurant zu dinieren, heisst japanische Esskunst wie im Land der aufgehenden Sonne zu zelebrieren - auf höchstem Niveau. Der Vorteil: Reist man zum Hasenberg, rund 25 Autominuten von Zürich entfernt, hat man keinen Jetlag, obwohl die Uhr dort fast wie in Japan tickt. Die aufwändig präsentierten Gerichte haben allerdings ihren Preis: Das siebengängige «menu de dégustation Hasenberg» kostet 144 Franken exklusive Getränke. Übrigens: Chasselas-Weine aus dem Lavaux passen zu vielen japanischen Fischvariationen. Wer will, übernachtet danach in den traditionell japanisch eingerichteten Zimmern.

Autor: Reto E. Wild

Fotograf: Reto E. Wild