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05. Januar 2015

«Meine Mutter hat mir den Spitznamen Joghurtmörder gegeben»

Musicaldarsteller und Philosophiestudent: Jan Messerli bringt seine beiden Leidenschaften erfolgreich unter einen Hut. Zurzeit tourt der Berner Joghurtliebhaber mit «De Zauberlehrling» durchs Land – und hofft, dass seine Hose dabei nicht noch einmal reisst.

Jan Messerli und Hund Bailey
Der umtriebige Jan Messerli und Hund Bailey, sein pures Gegenteil.

Name: Jan Simon Messerli (23)

Sternzeichen: Widder

Wohnort: Blumenstein BE

Wieso leben Sie in Blumenstein? Gute Frage. Eigentlich will ich schon lange nach Bern ziehen – täglich zwei Stunden mit «Poschi» und Zug zwischen Elternhaus und Uni zu pendeln, sind wirklich kein Schleck. Vielleicht klappts ja dieses Jahr endlich.

Beruf und Lebenslauf: Philosophiestudent an der Uni Bern und Musicaldarsteller. 2007 schleppte mich meine Mutter zu «Les Misérables» an die Thunerseespiele mit – eine Offenbarung! So singen wollte ich auch, weshalb ich mich stinkfrech für den Laienchor bewarb. Meinen ersten Auftritt hatte ich 2009 in «Jesus Christ Superstar», es folgten «Gotthelf», «Titanic» und «Der Besuch der alten Dame». Mein erstes Profi-Engagement erhielt ich in «Alperose», eine erste Hauptrolle diesen Sommer in «1476». «De Zauberlehrling» ist meine zweite Hauptrolle.

Jan Messerli als Serafin
Jan Messerli als Serafin. (Bild Christian Knecht)

Meine Rolle als Zauberlehrling: «Serafin und ich sind uns verblüffend ähnlich: immer in Bewegung, neugierig und oft auch stinkfrech. Und während Serafin immer besser zaubern lernt, lerne ich immer besser Theater spielen. Hoffentlich!»

Mein bester Freund: «Benjamin Krebs (24) ist der ideale Teetrink- und Gesprächspartner, ich kenne ihn noch aus der Schule. Wir treffen uns regelmässig auf ein Stück Schoggikuchen im ‹Kaffee und Kuchen› am Mühliplatz in Thun.»

Mein Gegenteil: «Seckle, bike, umezwaschple: Ich bin immer in Bewegung. Familienhund Bailey ist das totale Gegenteil: Möglichst nicht bewegen, lautet seine Devise. Gemeinsame Spaziergänge sind daher immer schwierig …»

Was ich mag: Authentizität. Gitarre und Klavier spielen, ich bin Autodidakt. Mani Matter. Und Pünktlichkeit: Ich bin meist zehn Minuten zu früh.

Was ich nicht mag: Moralprediger und Leute, die meinen, sie hätten die Wahrheit mit Löffeln gegessen. Wenn jemand in meiner Gegenwart SMS schreibt. Darauf reagiere ich jeweils richtiggehend allergisch.

Was ich an mir mag: Wenn ich Mist gebaut habe, stehe ich auch dazu!

Was ich an mir nicht mag: Dass ich mich manchmal über andere stelle. Wenn ich beispielsweise spät abends im Zug sehe, wie sich Gleichaltrige benehmen, ertappe ich mich oft dabei, wie ich die Augenbrauen hochziehe.

Meine Lieblingsmusical: «Jesus Christ Superstar» – die Musik ist der Hammer. Meine Freundin Catherine mag sie schon nicht mehr hören, so oft läuft sie.

Mein Vorbild: Ich versuche, möglichst von allen zu lernen, mit denen ich auf der Bühne stehe.

Mein beruflicher Traum: Ein Forschungsauftrag an der Uni. Oder ein Job als Gymnasiallehrer. Und dazu die Hauptrolle in «Jesus Christ Superstar». Aber das ist jetzt schon ein bisschen grössenwahnsinnig. Oder?

Mein peinlichster Moment: An der Vorpremiere von «De Zauberlehrling» ist meine Hose gerissen. Worauf so ein Knirps im Zuschauerraum ganz laut «Ig gseh sis Füdli!» geschrien hat.

Mein Lieblingsprodukt: «Meine Mutter hat mir den Spitznamen Joghurtmörder gegeben. Weil es kein M-Classic-Mokkajoghurt gibt, das mir nicht früher oder später zum Opfer fällt.»

Mein Lieblingsort: «An dieser Stelle steht im Sommer die Bühne der Thunerseespiele. Hier bin ich das erste Mal vor 2700 Menschen aufgetreten. Ich bekomme jedesmal Hühnerhaut, wenn ich hier bin.»

Messerlis aktuelle Lektüre
Jan Messerlis aktuelle Lektüre.

Meine Lektüre: «Pendeln und Lesen geht für mich zusammen. Zurzeit lese ich ‹Why Law Matters› des israelischen Philosophen Alon Harel. Auch mit dabei ist ‹Eine Theorie der Gerechtigkeit› von John Rawls.»

Mein Klavier: «Bei den Thunerseespielen habe ich mich damals mit ‹If I Were a Rich Man› aus ‹Anatevka› beworben. Der Song war der Einzige, den ich auch auf dem Klavier spielen konnte.»

Meine UNI: «Wenn ich nicht auf der Bühne stehe, trifft man mich meist in der ‹Unitobler› in Bern. Wo heute Philosophie gelehrt wird, wurde einst Toblerone hergestellt ‒ daher der Name.»

Messerli an der Uni Tobler
Jan Messerli an der Uni Tobler.

Autor: Almut Berger

Fotograf: Fabian Unternährer