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31. Oktober 2016

Jahr der abgesagten Katastrophen

2016 verfiel die Börse mehrfach in Panik – und stets war es ein Fehlalarm. Ausserdem: Schlagen Sie das Finanzwort des Jahres vor und gewinnen Sie ein Essen mit Oswald Grübel.

Rendite der zehnjährigen niederländischen Staatsanleihe seit 1517
Negative Zinsen hat es seit 499 Jahren noch nie gegeben: die Rendite der zehnjährigen niederländischen Staatsanleihe seit 1517.

Das Jahr startete gleich mit einem Börsencrash: Rund um die Welt fielen die Kurse, rasch war vom «miserabelsten Jahresauftakt aller Zeiten» die Rede. Wer sich aber von der Schwarzmalerei nicht aus dem Konzept bringen liess, brauchte es nicht zu bereuen: Von Februar bis Juni legte die Schweizer Börse um stolze 15 Prozent zu.

Dann aber kam der Brexit und das Schauspiel begann von Neuem. Die Börsen machten schon wieder auf Panik, doch währte die Aufregung auch diesmal nur kurz. Bereits wenig später kletterten zahlreiche Aktienindizes auf ein neues Allzeithoch.

Nun könnte man dies als Kapriolen von hyperaktiven Börsianern abtun. Nach dem Motto «Die Hunde bellen,aber die Karawane zieht weiter». Doch eine solche Interpretation greift zu kurz. Warum? Die Entwicklung der Finanzmärkte wird je länger, desto mehr von den Notenbanken dominiert. Mit ihren weit geöffneten Geldschleusen signalisieren sie den Märkten, dass sie die Lage im Griff haben.

Allerdings bewegen sich die Notenbanken derzeit auf «Terra incognita», auf Neuland, wo bisher jede historische Erfahrung fehlt. Als Sinnbild dienen die niederländischen Staatsanleihen: Erstmals seit 499 Jahren ist diese längste existierende Zinsreihe auf null gefallen (siehe Grafik).

Doch je gröber das Geschütz der Notenbanken, desto banger stellen sich die Märkte die Frage, ob ihr Arsenal vielleicht schon bald aufgebraucht ist. Immer wieder platzen an den Börsen daher Mutmassungen auf, dass das Sicherheitsnetz der Geldpolitik reissen könnte. In diesen Phasen breitet sich jeweils plötzliche Hektik aus, wie wir es 2016 mehrfach erlebt haben. Damit sich die Finanzmärkte wieder beruhigen können, braucht es folglich vor allem eins: Dass auch die Notenbanken wieder zu einer normaleren Geldpolitik zurückkehren.

Essen mit Oswald Grübel zu gewinnen!

Welches Schlagwort beschreibt nach Ihrer Meinung die aktuelle Lage an den Finanzmärkten besonders treffend? Machen Sie mit bei unserer Wahl zum Finanzwort des Jahres 2016. ­Senden Sie uns Ihren Vorschlag – zum Beispiel Brexit oder Helikoptergeld – auf blog.migrosbank.ch, und gewinnen Sie ein Essen mit dem früheren Bankier Oswald Grübel sowie weiteren prominenten Experten. 

Autor: Albert Steck