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06. April 2015

Ist öffentliches Stillen ein Fauxpas?

Philipp Tingler schreibt jede Woche über Phänomene des modernen Benehmens. Diesmal über das Stillen in der Öffentlichkeit.

in der Öffentlichkeit stillen
Dürfen Frauen in der Öffentlichkeit stillen? (Illu: Andreas Klammt, Muxxi/die Illustratoren)

«Unlängst wurde eine Mutter, die ihr Baby im Restaurant des Londoner Hotels Claridge’s stillte, seitens des Hauses um ‹Diskretion› ersucht, und zwar vermittels einer Stoffserviette, die man ihr reichte, um ihren Busen zu bedecken.

Danach ging ein Aufschrei durch die Öffentlichkeit. Die Frauengruppe Free to Feed organisierte einen Protest. Wieso eigentlich?

Niemand hatte die Mutter am Stillen gehindert.

Die wesentliche Frage lautet doch: Ist ein hochfrequentiertes Restaurant der richtige Ort für ein Baby?

Werfen wir dazu einen Blick in das Mutterbuch der Umgangsform, ‹Debrett’s Guide to Etiquette›. Hier lesen wir: Es ist kein ­gutes Benehmen, in der Öffentlichkeit irgendeine Flüssigkeit aus irgendeiner Körperöffnung zu entlassen, und das Stillen bildet keine Ausnahme.

Zwar anerkennt ‹Debrett’s› das politisch Heikle, schliesst aber lapidar: Manierliche Mütter stillen im Privaten.»

Ihre Meinung: Fühlen Sie sich durch öffentlich stillende Mütter gestört?

Autor: Philipp Tingler