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16. September 2013

Invasion der Riesenmurmeln

Die «Bohne, Bluescht und Berger»-Autorin sieht nicht rot, sondern orange: Wo immer sie hingeht, sie sind schon da – Kürbisse!

Der Riesenkürbis
Riesenkürbis oder Normgrösse?

Es fing ganz harmlos an: Am Morgen, als ich mit dem Velo ins Nachbardorf zum Posten fuhr, stand er am Strassenrand: ein Ladewagen, bestückt mit Kürbissen – ballförmig, gurkenförmig, ufoförmig, winzig bis riesengross. Am frühen Abend dann – diesmal war ich per Auto zu einer Sitzung vier Dörfer weiter unterwegs – entdeckte ich einen weiteren Ladewagen. «Selbstbedienung» war dort auf einem grossen Schild zu lesen. Drei Autos standen davor, und ein älteres Paar in Wanderschuhen und zwei jüngere Herren im Anzug machten das, was auf dem Schild zu lesen war: Sie bedienten sich selbst, und zwar hemmungslos.

Danke für die Warnung
Danke für die Warnung – obwohl sie meistens überflüssig ist: Gleich hinter dem Schild lauern sie ja schon.

Seither sehe ich sie überall, die Cucurbitae, so der lateinische Name der Kürbisgewächse: gelb, weiss, grün, gelb-weiss-grün gestreift, vor allem aber natürlich orange. Sie treiben sich entlang der Landstrassen rum, hängen beim Dorfbäcker im Schaufenster ab oder schmücken in meinem Lieblingscafé die Tische, wenn sie nicht, wie beim Nachbarn drei Häuser weiter und unterstützt von ein paar Maiskolben und einem Topf Erika, den Hauseingang belagern.

Kürzlich sind sie mir sogar in Gestalt von King Elvis und dem Grimmschen «Froschkönig» in unserer Lokalzeitung begegnet! Was aber daran liegen mag, dass ich nur ein paar Kilometer von dem Eventbauernhof entfernt wohne, wo zu dieser Jahreszeit jeweils ehemalige Mister Schweiz in ausgehöhlten Riesenkürbissen über den See zu paddeln pflegen, wenn nicht gerade ausgemarcht wird, welcher Hobbygärtner den Grössten hat (siehe Bericht in der Tagespresse vom 11. 9.). «Die grösste Kürbisausstellung der Schweiz» nennt sich das Happening, das die Massen anzieht – Massen an Besuchern, die wiederum mit Massen an Kürbissen davonziehen.

Zierkürbisse
Mal kugelrund, mal länglich, mal aalglatt, mal leicht schrumpelig kommen die Zierkürbisse daher.

Und da fängt für mich das Problem an. Es ist nämlich nicht so, dass ich per se eine Aversion gegen Kürbisse hätte. Es ist der geballte Auftritt, der mir jeweils auf den Magen schlägt. Ich mag auch Kürbissuppe. Einmal, zweimal, dreimal, dann aber ist Schluss. Und daran ändert auch nicht der Gutsch kaltgepressten Kürbisöls oder die Handvoll gerösteter Kürbiskerne, mit denen besagte Suppen gern verfeinert werden.

Ganz gruselig finde ich übrigens auch Halloween, die Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November, wenn die Kinder aus unserem Quartier im Minutentakt an den Türen läuten. An Fasnacht dürfen sie gerne kommen, das ist okay, aber Süsses und Saures, nein, da streike ich, Globalisierung hin oder her!
Wobei: Mein sechsjähriger Sohnemann hat mich kürzlich gefragt, ob der Samichlaus oder der «Hallowinn» zuerst komme. Mir schwant Schreckliches!

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger