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26. Mai 2014

Invasion der Guerilla-Kartoffeln

Im Garten der «Bohne, Bluescht & Berger»-Bloggerin haben die Blauen St. Galler das Regime übernommen. Dabei hatte sie heuer gar keine gepflanzt.

Blaue St. Galler von ganz nah
Die «Bohnebluescht»-Gärtnerin sieht rot vor Blau!

Schneckeninvasion? Kalter Kaffee, das war im letzten Frühling. Buchsbaumzünslerüberfall? Kalter Tee, zurzeit wüten die Zünsler vielleicht in China, von wo sie ja ursprünglich stammen. Aber nicht im «Bohne, Bluescht und Berger»-Garten. Hier macht sich gerade eine ganz andere Spezies breit: die Invasive Guerilla-Kartoffel, kurz IGK.
Dazu muss man wissen, dass ich im letzten Jahr zum ersten Mal (übrigens erfolgreich) Erdöpfel angebaut habe, Blaue St. Galler, um exakt zu sein. Vielleicht erinnert Ihr Euch ja noch an die heftigen Diskussionen hier auf dem Blog zum Thema «Anhäufeln oder nicht». Das soll hier und heute aber nicht das Thema sein. Das, was ich heuer an Kartoffeln gesetzt habe (Charlotten und noch so eine gelbliche Sorte, deren Name ich aber peinlicherweise bereits wieder vergessen habe), wächst schön und brav in Reih und Glied und wurde vorgestern angehäufelt (der Bildbeweis dazu gleich unten). Basta!

Thema hier und heute sind die anderen, die Erdöpfel, die nicht brav in Reih und Glied wachsen, sprich die Querschiesser, der Wildwuchs, die Guerilleros – eben die IGK. Diese illegitimen Nachkommen meiner Blauen St. Galler (denn das sind sie, ihre Farbe hat sie überführt) haben in den letzten Tagen meinen Garten übernommen: Sie wachsen im Salat, zwischen den Erbsli und neben den Rüebli (und lupfen diese dabei in die Höh). Sie schieben den Bölle auf die Seite und tarnen sich im Borretsch, der in etwa gleich schnell und gleich hoch wächst und sich daher perfekt als Camouflage anbietet. Sie tummeln sich im Blumenbeet zwischen Islandmohn, Kugeldistel und Pfingstrosen und lümmeln unter den Himbeeri und zwischen den Walderdbeeri rum. Und sie durchbohren sogar die Holzbretter, die in meinem Gemüsebeet die Wege bilden.

Dass die IGK im Gemüsebeet auftauchen, kann ich ja noch nachvollziehen, wahrscheinlich hatte ich bei der Ernte im Herbst nicht alle Erdöpfeli aus dem Boden entfernt. Wie sie es aber bis in die Himbeeri geschafft haben, die doch immerhin vier Meter östlich stehen, ist mir ein Rätsel. Kurz keimte in mir der Verdacht, sie seien vielleicht via Kompost dort gelandet. Nur habe ich den Himbis heuer noch gar keinen Kompost serviert und dem Islandmohn, den Kugeldisteln und den Pfingstrosen erst recht nicht.
Wenn ich nun wüsste, dass die IGK im Herbst reichlich Knollen bilden, dann würde ich sie wenn auch nicht gerade unter den Rüebli und neben dem zarten Islandmohn, aber doch zwischen den Himbis stehen lassen. Nur, wer kann mir das garantieren? Und abgesehen davon: Was, wenn sie im nächsten Jahr dann plötzlich auch im Rasen und rund um den Teich auftauchen? Und irgendwann Sohnemanns Baumhaus schief steht? Jetzt ist guter Rat teuer!
Was nun –den Guerilla-Kartoffeln den Garaus machen und damit vielleicht auf eine Rekordernte verzichten? Oderzuwarten aufs Risiko hin, dass sie endgültig die Macht übernehmen?

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger