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22. April 2014

Intim-OPs - sensible Zone

Das Geschäft mit Schönheits-OPs im Intimbereich boomt. Aber was lassen Frauen und Männer da eigentlich machen? Ein Gespräch über ein sehr sensibles Thema.

Eine nackte Frau bedeckt mit den Händen ihr Geschlecht.
In der Schweiz werden jährlich rund 4000 Intim-Operationen durchgeführt. (Bild: F1Online)
Viktoria Schendl (43), Gynäkologin
Viktoria Schendl (43), Gynäkologin, praktiziert in ihrer eigenen Praxis in Zèrich und bietet dort Intimchirurgie an. (Bild: zVg.)

Viktoria Schendl (43), Gynäkologin, praktiziert in ihrer eigenen Praxis in Zèrich und bietet dort Intimchirurgie an.

Viktoria Schendl, das Geschäft mit den Schönheitsoperationen im Intimbereich boomt auch hierzulande. Mit welchen Wünschen kommen Frauen zu Ihnen?

Die meisten Anfragen betreffen Schamlippenkorrekturen, insbesondere die Verkleinerung der inneren Schamlippen. Sind diese zu gross, klagen Frauen beim Sitzen oder Velofahren über Schmerzen, und enge Hosen bleiben im Schrank, da sich die Scham abzeichnet. Eine Verkleinerung kann Linderung schaffen. Aber auch die Nachfrage nach Vaginalverjüngungen nimmt zu, dabei können die äusseren Schamlippen vergrössert oder verkleinert, die Vagina verengt sowie der G-Punkt aufgespritzt werden.

Und die Männer?

Da ist das Behandlungsspektrum nicht so gross. In der Regel werden Penisvergrösserungen mit Eigenfett vorgenommen. Bis vor einem Jahr habe ich in einer ästhetischen Praxis Intim-OPs für beide Geschlechter angeboten. Von meinen Kunden waren gerade einmal elf Prozent männlich. Für die Männer ist dieser Bereich noch mehr mit einem Tabu belegt als für die Frauen.

Über 40 000 Schönheitsoperationen werden jährlich in der Schweiz durchgeführt, davon etwa ein Zehntel im Genitalbereich. Die Branche spricht von einer jährlichen Steigerungsrate von 35 Prozent für diese Eingriffe. Wie erklären Sie sich diesen Boom?

Der Trend zur Intimrasur legt einen Bereich frei, der bis vor einigen Jahren noch nicht sichtbar war. Da fallen Unregelmässigkeiten beim Blick in den Spiegel sofort auf. Ausserdem nimmt das ästhetische Bewusstsein stetig zu. Wir werden biologisch gesehen immer jünger, und das wollen wir auch nach aussen spiegeln.

Also sind Korrekturen im Intimbereich die neuste Modeerscheinung im Bereich der ästhetischen Chirurgie?

Von einer Modeerscheinung würde ich nicht sprechen. Viele Frauen kommen aus einem hohen Leidensdruck heraus zu mir. Die problematischen Stellen stören sie oftmals schon seit Jahren. Sie wussten aber bisher nicht, an wen sie sich wenden sollten. Die Anzahl an Ärzten, die diese Eingriffe anbieten, nimmt erst langsam zu.

Somit kommen eher Kunden mittleren Alters zu ihnen?

Nicht nur. Die Spanne reicht von Jung bis Alt. Ich hatte kürzlich eine Patientin, die nicht mehr in die Sauna gegangen ist, weil sie sich für ihren Intimbereich geschämt hat. Seit dem Eingriff geht sie wieder hin und ist sehr glücklich darüber. Und das im Alter von über 60 Jahren.

Aus welchen anderen Gründen kommen Ihre Kunden?

Männer sprechen selten über ihre Beweggründe. Aber ich denke, es sind ästhetische. Ihr Penis hat nicht die gewünschte Grösse.

Und Frauen?

Aus unterschiedlichen Gründen. Manche kommen beispielsweise nach einer Geburt, bei der eine Verletzung im Genitalbereich, ein Dammriss oder -schnitt, nicht optimal versorgt worden ist und funktionelle Beschwerden ausgelöst hat. Hier muss nachgebessert werden, da ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht beziehungsweise die Naht beim Geschlechtsverkehr schmerzt. Andere Frauen kommen aus rein ästhetischen Gründen.

Aber sie erhoffen sich doch auch besseren Sex durch den Eingriff?

Das ist bei manchen sicherlich ein Grund. Wer sich nicht wohlfühlt in seiner Haut, kann sich nicht fallen lassen. Das ist ein psychologisches Problem, das man schlecht abschalten kann. Darüber hinaus bewirkt ein Eingriff auch rein mechanisch etwas: Eine Vaginalverjüngung kann das Lustempfinden beider Partner steigern.

Da liegt die Vermutung nahe, dass die Frauen von ihrem Partner geschickt werden.

Möglich ist das. Aber der überwiegende Teil kommt aus eigenen Beweggründen.

Ich komme als Kundin, wie gehen Sie bei der ersten Konsultation vor?

Als Erstes führe ich ein ausführliches Beratungsgespräch mit Ihnen, in dem ich frage, was Sie stört und was Sie sich vorstellen. Anschliessend besprechen wir, was aus medizinisch-ästhetischer Sicht sinnvoll wäre.

Mit welchen unrealistischen Wünschen wurden Sie schon konfrontiert?

Das Schönheitsempfinden variiert von Land zu Land. Mitteleuropäerinnen haben zumeist ein sehr dezentes und natürliches Schönheitsideal. Mit extremen Wünschen werde ich in meiner Arbeitspraxis so gut wie nie konfrontiert. Ausserdem würde ich den gewünschten Eingriff nicht durchführen, wenn ich ihn nicht für sinnvoll halten würde.

Tragen die Krankenkassen die Kosten für einen solchen Eingriff?

Ist er aus medizinischer Sicht nötig, kann man dies prüfen lassen. Dafür müssen Fotos bei der Kasse eingereicht werden, auf deren Grundlage dann entschieden wird. Aber ehrlich gesagt, das wollen die wenigsten Patienten über sich ergehen lassen.

www.gynesthetic.ch

Autor: Evelin Hartmann