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01. Februar 2016

Die Patchworkfamilie: «Zwischen Peter und mir stimmte es»

Ria und Peter lernten sich über ein Inserat kennen. Beide hatten Kinder. Die Familien zogen nach wenigen Monaten zusammen. Im Interview erzählen die fünf Familienmitglieder ihre Erfahrungen. Hast auch Du oder haben Sie in einer solchen Familie DIE beste Stiefmami oder DEN besten Stiefpapi erlebt? Dann schildern sie es uns in einem Kommentar oder schreiben Sie eine Mail an onlineredaktion@migrosmedien.ch!

Familie Eugster
Blicken auf herausfordernde Zeiten zurück: Lea Müller, Peter Eugster, Alexandra Lagiadèr-Eugster (stehend, v. l.) und Sibille Aeberhardt-Eugster und Ria Eugster (sitzend, v. l.).

Ria Eugster (57) ist Lehrerin und Familiencoach, sie berät Patchworkfamilien. Sie hat zwei Töchter: Lea Müller (26), Journalistin, und Nina Müller (24). Peter Eugster (65) ist pensionierter Physiker. Er brachte drei Töchter in die Beziehung: Alexandra Largiadèr-Eugster (39), Oberstufenlehrerin mit vier Kindern, Sibille Aeberhardt-Eugster (30), Personalfachfrau mit zwei Kindern, und Lucie (34).

Ria, Sie haben vor 20 Jahren gezielt nach einem Mann mit Kindern gesucht. Peter, auch Sie wollten eine Partnerin mit Kindern. Weshalb?

Ria: Ich wollte einen Partner, der weiss, was es bedeutet, eigene Kinder zu haben.

Wie haben die Kinder reagiert, als Sie bereits nach wenigen Wochen ankündigten zusammenzuziehen?

Alexandra: Als ich Ria kennenlernte, hiess es bereits, sie ziehe ein. Das kam für mich nicht infrage. Ich war schon 20 und hatte keine Lust, mich jemandem unterzuordnen, den ich nicht kannte. Ich entschied mich auszuziehen.

Haben Sie diese verdrängt?

Lea: Keine Ahnung, was ein Psychologe in mich hineininterpretieren würde. Ich weiss nur, dass ich später schwierig war.

Wie haben Sie sich dennoch mit Ria und den Kindern angefreundet?

Peter: Ria hat das geschickt angestellt.

Wie ist Ihnen das gelungen, Ria?

Ria: Wir redeten ganz viel. Lucie hatte viele Fragen.

Wie ist Ihr heutiges Verhältnis zu Ria?

Sibille: Eng. Meine Kinder tragen dazu bei, dass vieles in unserer Patchworkfamilie selbstverständlicher geworden ist. Sie schweissen zusammen.

Lea soll nach dem Zusammenzug schwierig gewesen sein, sagt sie selbst. Wie schwierig?

Ria: Bei Festen wie Weihnachten versuchte Lea, die gute Stimmung kaputt zu machen. Ich wusste nicht, weshalb, und schickte sie zum Schulpsychologen. Er meinte, Lea brächte durch ihr Verhalten Solidarität mit ihrem Vater zum Ausdruck. Sie könne nicht zulassen, dass wir es schön hätten und ihr Vater nicht dazugehörte.

Wie lange hat es gedauert, bis Peter für Sie kein Fremder mehr war, Lea?

Lea: Wir hatten lange keine Beziehung.

Peter, wollten Sie am Abend Ihre Ruhe haben?

Peter: Ein leidiges Thema.

Ist Peter für Sie so etwas wie ein Vater, Lea? Was empfinden Sie für ihn?

Lea: Ich habe ja einen Vater, zu dem ich ein gutes Verhältnis habe. Aber Peter war immer da, wenn wir ihn brauchten.

Wird auch Ria auf diese Weise beurteilt?

Alexandra: Ich wollte ja auch, dass es meinem Vater gut geht. Das will ich heute noch. Ich hätte mit Ria weiter engen Kontakt, falls die beiden sich trennen würden, was ich allerdings schlimm fände. Ria ist für mich auch ein Vorbild, weil sie und ihr Ex-Mann es geschafft haben, nach der Scheidung bis heute ein freundschaftliches Verhältnis zu pflegen.

Wie ist das Verhältnis unter den Schwestern?

Alexandra: Gut. Ich mache in der Öffentlichkeit keinen Unterschied mehr zwischen Schwestern und Stiefschwestern. Lea ist sogar die Patin eines meiner Kinder. Aber die leiblichen Schwestern werden mir immer näher sein.


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Autor: Erika Burri

Fotograf: Stephan Rappo