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01. Februar 2016

Internet und Familie: 7 Fragen, 7 Antworten

Das Internet stellt den Familienalltag seit einigen Jahren auf den Kopf. Wie viel Digitalität im Familienalltag ist gut?

1. Mein Kind hustet ständig – ist das normal?

Gegenfrage: Möchten Sie nicht lieber einen Arzt konsultieren? Eine Google-Suche nach Symptomen ist zwar schnell gestartet, aber die Resultate beruhigen selten. Im Gegenteil! Wer lange genug forscht, findet immer etwas Besorgniserregendes. Besser geeignet sind Foren wie Swissmom.ch, wo sich Mütter gegenseitig helfen und Ratschläge erteilen. Aber wenn Ihr Kind blau anläuft, nützt auch das Internet nichts mehr. Dann hilft nur noch ein Mediziner – wie früher halt.

2. Wann legt Papi endlich sein Handy weg?

Nicht nur Kinder sind häufige Handynutzer, sondern auch Eltern. Das kann problematisch sein, wenn sie dadurch ihre Betreuungs- oder Aufsichtspflichten vernachlässigen. «Besonders gefährlich ist das Benützen des Telefons, etwa während der Aufsicht von badenden Kindern», sagt Eveline Männel Fretz, Eltern­beraterin bei Pro Juventute. Sie empfiehlt, «dass für alle Familienmitglieder medienfreie Zeiten abgemacht werden; Eltern sollten dabei vorangehen und sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein».

3. Wer braucht schon ab der 1. Klasse ein Smartphone?

«Mami, Mami, Mami! Meine Klassengschpänli haben alle ein Handy! Ich will auch eins!» Kinder lügen manchmal. Der Verein Zischtig.ch, der sich für Medienbildung und Prävention für Kinder und Jugendliche einsetzt, hat erhoben, dass in der 5. Klasse erst knapp die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler ein eigenes ­Handy hat. Wenn Ihr Kind dazugehören soll, braucht es eine «Fahrprüfung». Sie setzen es ja auch nicht einfach auf ein Töffli und lassen es losfahren. Einigen Sie sich deshalb auf die Verkehrsregeln und zeigen Sie mögliche ­Gefahren. Und übrigens: Ein Prepaid-­Vertrag reicht bis Ende der 9. Klasse locker.

4. Was macht Sohnemann so lange am PC?

Fragen Sie ihn! Nur wer sich ernsthaft dafür interessiert, was der Nachwuchs am Com­puter – und am Handy – macht, erhält eine ehr­liche Auskunft. Es ist übrigens keine Schande, etwas nicht zu verstehen. Lassen Sie es sich erklären. Und denken Sie ja nicht daran, Überwachungssoftware einzusetzen, nur weil es sie jetzt gibt. Vertrauen ist auch heute noch besser als Kontrolle.

5. Kann ich meine Tochter beim Lernen unterstützen?

Philippe Wampfler ist Lehrer und Experte für Neue Medien. Er findet es super, wenn Sie Ihrer Tochter helfen. «Dabei kann das ­Internet eine grosse Hilfe sein – etwa wenn Eltern mit ihren Kindern Dokumentarfilme auf Youtube ansehen oder Lernapps für Sprachen oder Tastaturschreiben installieren.» Aber wichtig sei, dass der Einbezug des Internets immer begleitend geschehe und Eltern ihr Kind damit nicht alleinlassen.

6. Ist man gegen Pädophile im Internet machtlos?

Egal, ob Ihr Kind auf der Strasse oder im Internet einem Pädophilen begegnet: Sie müssen es vor ihm schützen. Das Nimm-keine-Süssigkeiten-von-Fremden ist zu einem Nicht-jeder-ist-wofür-er-sich-ausgibt geworden. Aber abgesehen davon, hat sich mit dem Internet nichts verändert. Gegen die Gefahren hilft nur ein aufklärendes Gespräch. Verbote sind nicht zielführend.

7. Was würde mein Baby zu Fotos von sich auf Facebook sagen?

Nehmen Sie Ihr Babyalbum aus dem Regal. Gehen Sie damit in eine Bibliothek und lassen Sie es von einer Angestellten katalogisieren. Können Sie mit dem Wissen, dass es nun jeder herausnehmen, kopieren, herumzeigen kann, ruhigen Gewissens nach Hause gehen? Wenn das nicht deutlich genug war: Fragen Sie Ihr Kind. Wenn es nicht einverstanden ist oder nicht antworten kann, posten Sie kein Bild.

Autor: Reto Vogt

Illustrationen: illumüller.ch