Archiv
03. März 2014

Internationale Bühnenshows kreieren

Der Schweizer Roger Staub kreiert in den USA Bühnenshows für Grössen wie Beyoncé, Jay Z oder Green Day. Diesen Freitag inszeniert er für einmal Stars in der Schweiz: Er macht das Bühnenbild für die Swiss Music Awards.

Roger Staub mit einem Apfel in der Hand vor einem türkisfarbenen Pool.
Roger Staub am Pool seines Hauses in den Hollywood Hills, dem 
Villenviertel von 
Los Angeles.

Roger Staub (40) pendelt in diesen Tagen wieder mal zwischen zwei Welten. Noch kann der Schaffhauser in seinem traumhaft gelegenen Haus in den Hollywood Hills am Pool die Sonne Kaliforniens geniessen. Doch schon bald sitzt er im Flieger Richtung Zürich, um auf der Bühne der Swiss Music Awards (SMA) für einmal Schweizer Stars zu inszenieren.

Ein Auftrag mit Prestige: Als Bühnendesigner muss er nicht nur dafür sorgen, dass die Auftritte von Sunrise Avenue, Bastian Baker oder Gotthard ein visuelles Erlebnis werden. Weil der vom Schweizer Fernsehen übertragene Event auch zum ersten Mal im Hallenstadion stattfindet, wird die siebte Ausgabe der SMA laut Staub «so gross wie noch nie». Nervös ist der gelernte Typograf deswegen nur ein bisschen.

Die Amerikaner sind begeistert, wenn man Qualität liefert.

Wer schon mit Superstars wie Beyoncé, Jay Z oder Def Leppard zusammengearbeitet hat, kriegt beim Schweizer Musikpreis kaum weiche Knie. Dennoch hofft Staub in seiner typisch schweizerischen Bescheidenheit, dass am Freitag «alles gut geht». Schliesslich wird das aufwendige Bühnenbild mit seinen fahrbaren LED-Wänden eine organisatorische Herausforderung. Und während er in den USA häufig nur Licht- oder Videoeinspielungen für Shows liefert, lastet in Zürich die Gesamtverantwortung auf seinen Schultern.

Steiler Start in Los Angeles mit Live-Videoclip von Green Day

Dabei ist der Designer noch gar nicht allzu lange im Geschäft. Vor zehn Jahren konnte er über einen Kontakt in der Schaffhauser Musikerszene erstmals einen grösseren Act mit seinen visuellen Vorstellungen beliefern. Die «Aloha»-Tour von Züri West begeisterte 2004 auch dank der quadratischen LED-Panels, mit der Staub eine Wand aus Pixel kreierte. «Das Design kam bei Band und Fans sehr gut an und hat meine Karriere lanciert», blickt er zurück. Umso erstaunlicher, dass er lediglich nach einer weiteren Züri-West-Tour («Haubi Songs») nach Los Angeles ging, um dort dank eines Förderbeitrags aus Schaffhausen ein Praktikum als Bühnendesigner zu machen. Eine Idee, die «ziemlich plötzlich gekommen» sei.

Unverhofft verlief sein Start auch in der Glamourmetropole. Unverhofft steil, um genau zu sein. Noch als Praktikant konnte er für Weltstar Beyoncé arbeiten, was indes kein Zufall war: «Ich konnte ausnützen, dass ich wegen meiner Subventionen aus der Schweiz nichts verdienen musste. Deshalb wollte ich unbedingt eine Erfahrung machen, die in Europa unmöglich gewesen wäre.» Die Mission ist geglückt; und seither hat sich Staub in der US-Showszene hochgearbeitet.

Seinen Durchbruch hatte er, als er für die «21st Century Breakdown»-Tour der erfolgreichen Punk-Pop-Band Green Day eine Installation entwickelte, die heute noch kopiert wird. Zum Bandhit «American Idiot» liess er Bilder von Sänger Billy Joe Armstrong in einen riesigen Turm voller TV-Screens laufen. Eine Art Live-Videoclip auf der Bühne — und das prägende Bild dieser Konzerte.

Instrumente gehören zu seinem Leben: In seinem Haus in den Hollywood Hills schaffte sich Roger Staub eine kreative Insel.
Instrumente gehören zu seinem Leben: In seinem Haus in den Hollywood Hills schaffte sich Roger Staub eine kreative Insel.
Und der Blick aus seinem Haus über Los Angeles ist für Roger Staub unbezahlbar.
Und der Blick aus seinem Haus über Los Angeles ist für Roger Staub unbezahlbar.

Cool sei das gewesen, lächelt der Designer. Was für ihn ein ungewöhnlich euphorisches Statement ist. Denn trotz seiner sieben Jahre in L.A. ist Staub nicht zum Showman geworden. Im Gegenteil: Bescheiden und zurückhaltend, so würde man ihn nach einem Treffen beschreiben. Dazu passt, dass er das Haus in den Hills mit drei weiteren Schweizer Kreativen teilt. Auch dass man ihm die Gründe für seinen Erfolg regelrecht aus der Nase ziehen muss, fügt sich ins Bild ein. Staub reduziert diese dann auch prompt auf eine Reihe von sehr schweizerischen Tugenden.

Nach der Show ein Bier mit dem Sänger von Def Leppard

Eine «gewisse Swissness» habe ihm sicher geholfen, sagt er: «Wenn man Qualität liefert, Budgets einhält und keine leeren Versprechungen macht, sind die Amerikaner begeistert. Dann interessiert es sie nicht, woher man kommt.» Die gute Seite des «American Way» sei das. Die weniger schöne kriegt er hin und wieder auch zu spüren.

Obwohl er ihre Shows mitentwickelt, kommt er mit Kunden wie Jay Z oder Beyoncé nur selten persönlich in Kontakt. Es sei zwar vorgekommen, dass man zusammen Meetings habe. «Aber im Normalfall sind bei solchen Mega-Acts zu viele Leute dazwischen.» Allerdings kommt es auch auf die Stars selbst an: Mit Soulsänger Maxwell, für den er schon länger arbeitet, verbindet Staub eine Freundschaft. Mit einem entspannten Rockstar wie Joe Elliott von Def Leppard, für die er in Las Vegas das Bühnenbild gemacht hat, kann er nach der Show auch mal ein Bier trinken gehen.

Bleibt die Frage, ob man als Bühnendesigner für die Stars reich wird. Staub sagt, dass «die Budgets in L.A. sicher grösser» seien als in der Schweiz. Und fügt lächelnd an, dass «reich» immer auch relativ sei. Ganz so, wie man das von einem Mann mit Schweizer Tugenden eben erwarten würde.

Autor: Lukas Rüttimann

Fotograf: Serge Hoeltschi