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02. September 2013

Interessenskonflikt im Gartenparadies

Im Garten der «Bohne, Bluescht und Berger»-Autorin geht es zu wie im Taubenschlag: Dauernd fliegen ihr Frisbees und Fussbälle um die Ohren.

Interessenkonflikt im Garten
Interessenskonflikt im Gartenparadies.

Wusch – schon wieder habe ich einen Frisbee am Kopf. Zum Glück ist es eines dieser Weichgummidinger, die nicht wirklich wehtun. «Tschuldigung», murmelt der Knirps kleinlaut, der sich das Teil bei mir wieder abholt. Ich winke grosszügig ab und wechsle auf meinem Badtüchli von der Rücken- in die Bauchlage. Zwei Minuten später ein erneutes Wusch. Diesmal ist es der Sohnemann. Der sagt aber nicht «Tschuldigung», sondern: «Mama, immer bist du im Weg. Kannst du nicht einfach ins Haus gehen?»

Nein, kann ich nicht. Denn erstens ist das auch mein Garten und zweitens … Da klingelt es: Vor der Tür stehen drei weitere Knirpse, alle mit Nockenschuhen an den Füssen und jeder mit einem Fussball unter dem Arm. Mir schwant Schreckliches: Und tatsächlich, fünf Minuten später habe ich den ersten Ball am Kopf.

Wenn der Helikopter schwirrt, lässt sich nicht in Ruhe lesen
Wenn der Helikopter schwirrt, lässt sich nicht in Ruhe lesen.

Mir reichts! Mit dem Argument, dass Nockenschuhe auf unserem englischen Rasen strengstens verboten sind (englischer Rasen? Da lachen ja die Gänseblümchen!), zwinge ich die Bande, sich etwas anderes auszudenken. «Versteckis!», einigt sie sich schliesslich, nachdem ich ihr mit Müh und Not ausreden konnte, doch einfach barfuss Fussball zu spielen.

Beruhigt lege ich mich wieder auf mein Tüchli. «Eins, zwei, hundert – ich chumme!», dringt es noch von Weitem an mein Ohr, während ich zu einem Schwedenkrimi greife. Hellhörig werde ich erst, als aus den Trübelibüschen direkt in meinem Rücken unterdrücktes Gekicher ertönt: Zwei Knirpse zwängen sich zwischen die Sträucher, brechen dabei diverse Zweige ab – und zertrampeln alle Walderdbeeri. Einen weiteren entdecke ich zwischen den Palerbsen, wo er sich richtiggehend eine Höhle gegraben hat, während der vierte – gefährlich nah am Teich – den Farn plattlegt.

Eine Schimpftirade später, die mir ein empörtes «Nie dürfen wir was, Mama!» vom Sohnemann einbringt, worauf ich mit einer Glacerunde für alle kontere (ja, ich weiss, pädagogisch gesehen nicht wirklich gut, aber fein …), beschliessen die fünf nun doch, auf den Fussballplatz im Dorf zu dislozieren.

Fussball wird auch noch gespielt...
Fussball wird auch noch gespielt...

Mit einem Aufatmen drehe ich mich wieder meinem Buch zu, als plötzlich neben meinem linken Ohr ein bösartiges Summen ertönt: «Schatz, guck!», ruft mein Herzensmann, der bis eben im Keller an irgend was rumgebastelt hatte, «Schatz, guck, er fliegt!» Und er lässt freudestrahlend über meinem Kopf einen ferngesteuerten Helikopter in der Grösse eines Geiers kreisen. Und ich? Ich schnapp mir Tüchli und Buch und mache mich vom Acker: Vielleicht finde ich ja in der Badi meine Ruhe!

Wie kriegen Sie die verschiedenen Bedürfnisse Ihrer Gartennutzer unter einen Hut? Kollidieren die Interessen ähnlich wie bei der «Bohne, Bluescht & Berger»-Autorin? Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Ihr Wissen mit anderen Gartenfreunden in einem Kommentar mit, oder erstellen Sie mit Anleitungen, Tricks und Fotos aus Ihrem Garten einen eigenen Artikel (Infos zu beidem siehe rechts).

Autor: Almut Berger

Fotograf: Almut Berger