Archiv
20. Juni 2016

In Würde altern

Wo bleibt die Schönheit, wenn straffe Haut und makellose Jugendlichkeit Geschichte sind? Genau: bei jenen, die sich weiterhin wohlfühlen in ihrer Haut.

Schauspielerin Charlotte Rampling
Entspannt und mit Schalk im Nacken: Schauspielerin Charlotte Rampling (70).

Sie sieht sehr gut aus – für ihr Alter.» Diesen Satz hört man oft von Frauen über Frauen. Besonders das «für ihr Alter». Als Kompliment verpackt, ist diese Randbemerkung in Wirklichkeit eine Beleidigung. Unnötig, wenn auch selten böse gemeint, sondern meist nur arglos nachgeplaudert.

Es lohnt sich, kurz darüber nachzudenken. Sagt man das auch über Männer? George Clooney ist in den Köpfen der Zuschauer doch unisono «wahnsinnig sexy» – nie «für sein Alter». Sogar der übergewichtige Gérard Depardieu gilt in Frankreich immer noch als Sexsymbol. Nicht, dass man das dem 67-jährigen Obelix nicht gönnen würde, aber mal ehrlich: Mit Frauen wird in Sachen Attraktivität sehr viel gnadenloser umgesprungen. Gerade wenn sie 60 oder 70 werden und nicht mehr dem Ideal von straffer Jugendlichkeit und Makellosigkeit entsprechen.

Viele Falten und trotzdem schön

Schönheit hat nicht unbedingt etwas mit dem Jahrgang zu tun. Die attraktivsten Frauen sind sicher die, die in sich ruhen. Zum Beispiel Charlotte Rampling, Helen Mirren oder Hannelore Elsner, alle drei sind Schauspielerinnen um die 70. Was sieht man da? Schlupflider, faltige Hälse, Altersflecken auf dem Dekolleté. Ja und? Diese Frauen sehen trotzdem gut aus. Ohne einschränkende Randbemerkung.

Sie haben ihren 20 oder 30 Jahre jüngeren Kolleginnen voraus, dass sie Grazie und Klasse ausstrahlen, weil sie sich nicht verbiegen und zu sich stehen. Sie scheinen sich in ihrer Haut wohlzufühlen. Das ist eine simple, aber wichtige Voraussetzung, um würdevoll mit dem Altern umzugehen.

Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters. Denken Sie daran, wenn Sie sich das nächste Mal im Spiegel anschauen. Oder über eine andere Frau urteilen. 

Autor: Martina Bortolani