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07. Oktober 2013

In Memoriam

Segnet die E-Mail bald das Zeitliche? (Bild: Fotolia)

Einverstanden: Ohne dich versiegt der Informationsfluss im Büro. Ohne dich kommt keine Sitzung zustande. Ohne dich scheitert jedes Projekt. Ohne Frage, liebe E-Mail, aus der Geschäftswelt bist du noch nicht wegzudenken, aber: In unser aller Privatleben spielst du keine Rolle mehr! Du bist alt geworden, steinalt. 41 Jahre, um genau zu sein. Es war im Spätherbst 1971, als dich der Amerikaner Ray Tomlinson zum ersten Mal verschickte. Und auch Jahre später warst du noch heiss begehrt. Du hast Powerpoint-Präsentationen mit herzigen Katzenbildli um die Welt getragen, Viagra feilgeboten und scheuen Männern beim Flirten ­geholfen. Kurz: Du hast in der Vergangenheit wirklich viele Menschen glücklich gemacht. Doch heute bist du aus der Mode gekommen. Das Zauberwort heisst Echtzeitkommunikation. Das kannst du nicht. Du bist asynchron, altmodisch. Adieu und tschüss! Modern sein bedeutet im Jahr 2013 instant, sofort, unmittelbar. WhatsApp kann das, Facebook auch und Twitter sowieso. Du kannst von Glück reden, dass sich bisher kein solch modernes Werkzeug in der Geschäftswelt etabliert hat. Deshalb müssen die Menschen ihr Kommunikationsverhalten noch anpassen, sobald sie ins Büro spa-zieren. Wenn sich aber ein solcher Dienst flächendeckend durchsetzt, bist du tot, liebe E-Mail. Ich werde dich kein Stück vermissen.

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Autor: Reto Vogt