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18. März 2013

In fremden Betten

Elternbett mit Kindern
So siehts aus, wenn nach kindlichem Entern des Elternbetts niemand das Feld räumt. (Bild Getty Images)

Das wichtigste Zimmer in unserer Wohnung ist das Gästezimmer/Büro, das tollste Möbelstück darin ist die Klappcouch. Ich schwöre, das kleine, unscheinbare Sofa hat meine Ehe gerettet. Und zwar nicht nur ein Mal, sondern gefühlte 1000 Mal. Die Gästecouch ist wie eine einsame Insel. Jeder von uns darf ganz offiziell dorthin flüchten, wenn sich mitten in der Nacht mal wieder ein Kind in unser Ehebett wirft. Meistens ist mein Mann derjenige, der auswandert. Im Gegensatz zu mir dreht er nämlich durch, wenn sich die kleinen Eindringlinge an uns kuscheln, als wären wir Eier, die man ausbrüten muss. Er bekommt Herzrhythmusstörungen, wenn ihm Eva ins Ohr daumenlutscht oder Ida ihn anatmet. Er steht auch nicht auf fremde Knie in seinem Bauch, auf das Geboxe und Gerutsche quer durchs Bett, auf das Gezerre an der Bettdecke. Deswegen geht er. Wir leben ja schliesslich in einem freien Land.

Möglicherweise gäbe es eine bessere Lösung für unser «Problem». Zum Beispiel in Form eines Vorhängeschlosses an unserer Schlafzimmertür. Vielleicht würde es auch helfen, die Kinder schon jetzt aufzuklären. Also in etwa so: Mama, Papa = Liebespaar. Ehebett = Liebesnest und so weiter. Das würde aber nix bringen. Ida würde höchstens sagen: Prima, ich hab euch auch lieb … – darf ich jetzt mitkuscheln?

Andererseits befinden wir uns, wenn ich mich so umhöre, in bester Gesellschaft. Nehmen wir unseren Bekannten. Der räumt, wie er nicht ohne Humor erzählt, widerstandslos das Feld, wenn seine vierjährige Tochter mal wieder das Elternzimmer geentert hat. Sie kennen ihn ja nicht, aber ich sage Ihnen, das muss ein Bild für die Götter sein. Der Kerl ist fast zwei Meter lang. Da tapst er also nachts durch die Wohnung, biegt ins Kinderzimmer ein, steigt das Leiterchen des Kajütenbetts hoch und lässt sich in die Lillifee-Bettwäsche fallen. Der Lattenrost ächzt noch kurz, und dann ist Ruhe. So einfach ist das. Bei anderen Kollegen campiert der Papa gemeinsam mit dem älteren Sohn im Büro, während die Mama mit dem Baby im Ehebett liegt. Das, so erzählten sie mir neulich, sei doch schlau. So sei zumindest gewährleistet, dass die Nächte wenigstens annähernd ruhig verlaufen würden. Ich stimme dem vollumfänglich zu.

Wenn ich mich allerdings mit kinderlosen Bekannten oder gar mit meinen eigenen Eltern darüber unterhalte, ist mir das irgendwie unangenehm. Öfter mal getrennte Schlafzimmer? Geht gar nicht. Das muss der Anfang vom Ende sein. Manche Menschen sind überzeugt davon, es gehöre irgendwie zum Mama- und Papa-Job, den eigenen Nachwuchs auf Distanz zu halten. Die Biologin in mir denkt in solchen Momenten immer ans Tierreich. Ich stelle mir dann vor, wie die Elefantenkuh zu ihrem Kind sagt: «Also wirklich! Nachts will ich dein Rüsselchen nicht in meinem Ohr. Stell dich also nicht so an und schlaf gefälligst im Nachbardschungel …» Kommen Sie mir jetzt nicht damit, dass im Kinderzimmer keine Löwen wohnen. Können wir uns da wirklich sicher sein?

Autor: Bettina Leinenbach