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24. Februar 2014

In die Zange genommen

Privathaushalte senden automatisch WiFi-Signal zur Gratis-Nutzung auf der Strasse
Privathaushalte senden automatisch WiFi-Signal zur Gratis-Nutzung auf der Strasse (Bild: Screenshot UPC Cablecom).

Sie leben in St. Gallen und sind UPC-Cablecom-Kunde? Dann surfen seit Anfang Februar Passanten auf Ihre Kosten im Internet. Wie das geht? Ganz einfach: Durch ein Software-Update aktiviert der Provider auf privaten Routern einen öffentlichen Hotspot und besitzt damit auf einen Schlag das grösste Wi-Fi-Netz der Stadt. Das Projekt heisst «Wi-Free» und ist harmloser, als es zunächst klingt: Laut Anbieter leidet weder Ihre Surfgeschwindigkeit, noch steigt die Strahlenbelastung an, und private Daten bleiben privat. Trotzdem ist das Vorgehen von UPC Cablecom problematisch. Warum? Der Provider aktiviert den öffentlichen Internetzugang bei allen Kunden, ohne deren Zustimmung einzuholen. Wer den Router nicht teilen will, muss aktiv werden und «Wi-Free» selbst abstellen. Richtig wäre, Kunden über das Projekt zu informieren und ihnen die Aktivierung zu überlassen. Der Nutzen wäre enorm: Je mehr Kunden mitmachten, desto besser wäre die Wi-Fi-Abdeckung in Schweizer Städten. So würde das mobile Surfen auf einen Schlag schneller, weil die privat zur Verfügung gestellten Hotspots die Mobilfunknetze von Swisscom und Co. entlasten und mehr Tempo bieten würden. Aber so ein Projekt wird nur zum Erfolg, wenn Menschen freiwillig mitmachen. Niemand wird gern in die Zange genommen.

Autor: Reto Vogt