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30. Dezember 2013

In der Eltern-Sauna

Ab und zu wollen Mami und Papi für sich sein. Und zwar gemeinsam – ohne Kinder. Dooferweise kommen sie aber kaum noch dazu. Kein Grund zu verzweifeln. Es kommen auch wieder leidenschaftlichere Tage, vermutet unsere Kolumnistin.

Eltern brauchen auch mal Zeit für sich
Eltern brauchen auch mal Zeit für sich (Bild: iStock Photo).

Als wir noch keine Kinder hatten, taten wir es sehr oft. Mittlerweile irgendwie nicht mehr so häufig. Obwohl … doch, schon noch hin und wieder. So zwischen Tür und Angel. Bei Nacht und Nebel. Nach dem Gute-Nacht-Gschichtli und vor «10vor10». Dann ziehen wir uns nackt aus und gehen miteinander – in die Sauna. Sie wissen schon, diese Sache, Mann, Frau, Schweiss, heiss, Aufguss, toll!

Unsere ehelichen Saunagänge wurden nicht nur weniger, sondern gehen heute auch deutlich schneller zu Ende als früher. Wie soll ich sagen? Wir sind immer irgendwie auf dem Sprung. Manchmal schaffen wir es noch nicht einmal, uns komplett auszuziehen. Es könnte ja jederzeit passieren, dass zwei kleine Damen in die Sauna stürmen, weil sie schlecht geträumt haben. Oder Hunger haben. Oder Durst. Oder alles zusammen. Wollen Sie beim Wellnessen ertappt werden? Also, wir nicht. Obwohl wir uns ja schon pro forma einige Sätze zurechtgelegt haben. Da muss man allerdings höllisch aufpassen, was man in solchen Momenten sagt. Sonst erzählt Ida im Chindsgi-Stuhlkreis, dass ihre Eltern mit Duvet und Kopfkissen in die Sauna gehen – während in der Stube noch die Glotze läuft …

Doch, unsere gemeinsamen Saunagänge sind immer noch heiss. Wir lachen dabei aber deutlich mehr als früher. In solchen Momenten sind wir uns sehr nahe. Wenn wir denn dazu kommen, uns nahezukommen. Bekannte von uns fahren alle paar Monate übers Wochenende in ein Wellnesshotel nach Graubünden, um dort in Ruhe bei Kerzenschein in einem Arvenholzbett zu «saunieren». Das, liebe Leserin, lieber Leser, wäre mir jedoch zu blöd. Koffer packen, Babysitter organisieren, durch die Gegend fahren, das Hotel betreten – und dann drei, zwei, eins – Sauna? Ich würde ja schon vor dem ersten Aufguss schlafen. (Kein Wunder nach dem ganzen Stress.) Wenn schon Pärchenzeit, dann anders: Ich würde lieber schön mit meinem Mann zu Abend essen, und zwar Gerichte mit französischen Namen (ich meine damit nicht «Pommes frites»). Wir würden stundenlang dinieren und dabei 27 Spezialgabeln benützen. Wir würden zu jedem Gang den passenden Wein trinken und uns mit Sicherheit für das Dessert mit Alkohol entscheiden. Am Schluss würden wir unsere Stoffservietten zusammengefaltet links vom Teller hinterlassen – und nicht als Sabber-Schnudder-Papierkugel auf den Ketchup-Klecks in der Tischmitte kleben. Das Beste wäre aber: Wir würden die ganze Zeit miteinander reden. Vollständige Sätze. Fragen und Antworten, endlose Dialoge ohne Imperativ-Unterbrechungen («Eva, Finger weg von der Ketchup-Flasche!»). Doch, aus diesem Grund könnte man schon einmal übers Wochenende verreisen. Aber nur zum Saunieren? Dafür ist uns unsere kinderfreie Zeit viel zu kostbar.

Autor: Bettina Leinenbach