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16. April 2012

In 80 Tagen um die Welt

Gewagtes Abenteuer: Im Juli hebt Carlo Schmid mit einem kleinen Propellerflugzeug in Dübendorf ab. Der junge Pilot will in 80 Tagen die Welt umrunden. Alleine und klimaneutral!

Carlo Schmid mit 
seiner Cessna 210
Will die Welt 
erobern: Carlo Schmid mit 
seiner Cessna 210 
am Flughafen 
Altenrhein.
Carlo Schmids Flugroute auf der Weltkarte.
Carlo Schmids Flugroute auf der Weltkarte.

Die Flugroute: Carlo Schmids geplante Strecke von Dübendorf nach Hamburg in 40 Stationen. Hier die grösseren Etappenorte zur Strecke – auf dem Bild oder als
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Dübendorf, Wien, Chania (Kreta), Alexandria (Ägypten), Riad (Saudi-Arabien), Karachi (Pakistan), Bhopal (Indien), Kalkutta (Indien), Mandalay (Burma), Hongkong (China), Taipeh (Taiwan), Sachalin (im Osten der russischen Halbinsel), Alaska, Denver (US-Staat Colorado), Quebec City (Kanada), Grönland, Reykjavik (Island), Hamburg.

Das Porträt
Carlo Schmid (22) streicht zärtlich über den Propeller der Cessna 210. Das einmotorige Kleinflugzeug steht auf dem Flughafen von Altenrhein SG. Der Zürcher steht vor der grössten Herausforderung seines Lebens: Am 11. Juli will er mit der Cessna vom Flughafen Dübendorf ZH abheben und damit in 80 Tagen um die Welt fliegen. Gelingt ihm das, ist Carlo Schmid ein Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde sicher, denn noch nie war ein Pilot bei einem solchen Soloflug so jung. Noch ist der Jamaikaner Irving Barrington (28) Rekordhalter. Es ist die pure Leidenschaft, die den jungen Schweizer Piloten antreibt. Schmid, der aus einer Bankerfamilie stammt, ist in Kloten aufgewachsen und fühlte sich von der Fliegerei schon immer magisch angezogen. «Ich wollte bereits als Kind jede freie Minute auf dem Flugplatz verbringen.» Mit 17  Jahren flog der damalige Banklehrling und Inhaber eines Privatpilotenbrevets zum ersten Mal ein kleines Motorflugzeug.

Ich möchte viel Geld für Kinderhilfsprojekte sammeln.

Die erste Passagierin war seine Mutter. Sie starb am 25. August 2010 im Alter von 45 Jahren an Krebs. «Ich widme diese Weltumrundung meiner Mutter. Ihr beschützender Geist wird als Copilot mitfliegen», sagt Carlo Schmid. Seine Eltern hätten ihm und seinen Brüdern Clemens (19) und Lukas (14) viel ermöglicht. Dem jungen Mann bedeutet die Familie viel. Inzwischen wohnt er mit dem Vater und seinen Brüdern in Bad Zurzach AG.

Und für den Jungpiloten ist es wichtig, die Grosszügigkeit der Eltern und insbesondere der Mutter weiterleben zu lassen. «Sie hat mich inspiriert, Kindern in Not zu helfen.» Deshalb hat er sein Projekt «Round The World (RTW) for Children 2012» getauft. «Mit diesem Flug möchte ich nicht nur einen Weltrekord aufstellen, sondern auch möglichst viel Geld für die Kinderhilfsprojekte der Unicef sammeln», betont er. Dazu hat er die Aktion «Für 100 Stutz um d Wält» lanciert: Private Gönner können sich mit ihrem Namen an der Aussenwand der Cessna verewigen. «RTW kostet einen mittleren sechsstelligen Betrag, der von mehreren Firmen gesponsert wird.» Zusätzliche Einnahmen erhält Unicef Schweiz.

«Ohne mein Team geht gar nichts»

Den Weltrekordversuch mit der 510 PS starken Maschine will Carlo Schmid via die Stiftung «Myclimate» klimaneutral durchführen; der CO2-Ausstoss auf der 41'000 Kilometer langen Flugroute soll mit Klimaschutzprojekten kompensiert werden. Nach dem Start in Dübendorf führt die Strecke Richtung Südostasien, Alaska und die USA über insgesamt 40 Stationen in 24 Ländern. Der Pilot rechnet bei einer Reiseflughöhe von 7000 Metern mit einer Geschwindigkeit von rund 400 Kilometern pro Stunde. «Dank fünf Kerosintanks kann ich maximal 5,5 Stunden ohne Nachfüllung fliegen.»

Carlo Schmids Flug um die Welt ist ein planerisches Meisterwerk: 80 Tage, 40 Stationen, 24 Länder.
Carlo Schmids Flug um die Welt ist ein planerisches Meisterwerk: 80 Tage, 40 Stationen, 24 Länder.

Mehrmals betont Carlo: «Ohne mein Team ginge gar nichts.» RTW besteht aus zehn Kollegen, die ehrenamtlich arbeiten, wie der Uni-Student und Projektleiter Fabian Karlovich (26), der Grafikspezialist Damiano Rezzonico (26), Fotograf Adrian Bretscher (22) oder Simon Schneider (28), der für die Finanzen zuständig ist. Sie bilden den Motor des Projekts. Carlo ist stolz auf die Tatsache, dass hauptsächlich junge Menschen am Werk sind. Zusätzlich helfen ein Flugpersonal- und Mentaltrainer, ein Jurist und sein stolzer Vater, der ihm beratend zur Seite steht. «Ich kämpfe von 6 bis 23 Uhr für RTW», sagt Carlo Schmid. Damit es klappt, hat er seinen Bankjob aufgegeben. Ein wichtiges Teammitglied ist auch der Musiker Fabian Frauenfelder (25). Unter seinem Künstlernamen Fraui veröffentlicht er am 11. Mai die eigens zum Rekordversuch komponierte Single «Zäme um d Wält». Fraui spendet den Reinerlös dem RTW-Projekt. Davon profitieren die Unicef-Bildungsprogramme in Indien.

Flugsimulator und Atemtechniken

Die richtige Planung entscheidet über den Erfolg des Rekordversuchs. Schmid übt im Flugsimulator und bereitet sich mit einem Mentaltrainer auf mögliche schwierige Situationen vor. «Damit ich die endlosen Stunden alleine im Cockpit bewältigen kann, lerne ich verschiedene Atemtechniken und Strategien zur Gedankenkontrolle.» Angst hat der Jungpilot keine, aber gesunden Respekt. Um das Risiko zu minimieren, dass seine Maschine beschädigt oder geklaut werden könnte, wird er jeweils so nah wie möglich beim Flughafen übernachten — oder im Notfall im Flugzeug. «Ich bin unkompliziert und kann auch auf dem Boden schlafen.» Bei Wartungsarbeiten, Entscheidungen über die Flugroute und im Cockpit hat für ihn die Sicherheit Priorität. Carlo Schmid klopft auf das Cockpit der Cessna. «Schliesslich will ich mit diesem Baby am 29. September sicher in Dübendorf landen und meine Familie umarmen.»

www.rtw2012.com

Autor: Reto Wild, Meret Boxler

Fotograf: Jorma Müller