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02. November 2015

Impfen – ja oder nein?

Beim Thema Impfen gehen die Meinungen auseinander: Wann sind sie sinnvoll, wann sogar geboten? Die wichtigsten Fakten und medizinischen Empfehlungen auf einen Blick.

Impfen im Erwachsenenalter: auch eine Frage der Risikoabwägung
Impfen im Erwachsenenalter: auch eine Frage der Risikoabwägung (Bild: Fotolia).

Die Tetanusimpfung ist schon im Kindesalter ratsam. Die Impfung gegen Wundstarrkrampf (Tetanus) empfiehlt sich in der Regel schon bei Kleinkindern, und zwar in sinnvoller Kombination mit den Impfungen gegen Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis) und Haemophilus influenzae, einen Erreger, der komplizierte Erkrankungen wie Hirnhaut- und Lungenentzündung hervorrufen kann. Wichtig sind regelmässige Auffrischimpfungen, bei Erwachsenen etwa alle zehn Jahre. Der Haemophilus-Impfanteil ist ab dem fünften Lebensjahr nicht mehr nötig. Kontrovers diskutiert wird der Keuchhusten-Anteil, da Pertussis bei Erwachsenen zwar zunimmt, aber nur im Säuglingsalter lebensgefährlich ist.

Eine Masernimpfung senkt das Risiko lebensgefährlicher Komplikationen um das 500-Fache.Die Masern bergen ein erhebliches Risiko: Bei bis zu zehn Prozent der Fälle tritt eine Hirn- oder Lungenentzündung auf, wobei vor allem die Entzündung des Gehirns (Meningitis, Enzephalitis) bleibende Schäden oder gar den Tod (ein Todesfall pro 5000 Erkrankungen) verursachen kann. Eine Impfung verringert diese Risiken immerhin um das 500-Fache. Die Masernimpfung respektive die kombinierte Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln empfiehlt sich im Alter von 12 Monaten, die Wiederholungsimpfung mit 15 bis 24 Monaten.

Bei Mumps ist das Komplikationsrisiko übrigens deutlich geringer: 15 bis 20 Prozent der erkrankten Männer trägt eine Hodenentzündung davon, und einer von 10 000 Betroffenen erleidet eine Schädigung des Innenohrs mit Taubheit. Röteln sind ein grosses Risiko für Schwangere: Das Kind kann schwerste Schädigungen wie Herzfehler oder Sehstörungen davontragen. Frauen sollten sich deshalb in der Kindheit, spätestens aber im Jugendalter impfen lassen. Schwangere, die in der Kindheit an Röteln erkrankt sind, sollten einen Antikörpernachweis vornehmen lassen.

Eine routinemässige Impfung gegen Hepatitis B empfiehlt sich bereits im Kindesalter. Denn Hepatitis B birgt ein erhebliches Risiko: Bei zehn Prozent der Betroffenen verläuft die Krankheit chronisch. Pro Jahr sterben rund 800 000 Menschen an den Folgen der Erkrankung . Bei anderen Krankheiten wie Hepatitis A, Zecken-Enzephalitis, Meningokokken-Meningitis hängt die Impfempfehlung von Faktoren wie Reisetätigkeit, Wohngebiet oder Beruf ab.

Windpocken (Varizellen) sind eine typische Kinderkrankheit, weshalb sich eine Impfung höchstens bei Erwachsenen empfiehlt, die keine Erstinfektion in der Kindheit durchgemacht haben. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs respektive humane Papillomaviren.

Bei weitem nicht jeder grippale Infekt wie Schnupfen, Halsweh oder Kopfschmerzen ist durch die richtige Grippe (Influenza) verursacht und kann deshalb auch bei Geimpften auftreten. Dies wird dann fälschlicherweise als unwirksame Impfung interpretiert. Tatsächlich ist die Impfung die wirksamste Vorbeugung gegen Grippe, vor allem bei entsprechendem Risiko wie Immunschwäche, chronischen Krankheiten, hohem Alter oder Gesundheitsberufen.

Grippe-Impfcheck des Bundesamts für Gesundheit

Autor: Hans-Ulrich Backes