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27. Juni 2016

Stagnierende Renten, explodierende Gesundheitskosten

Die Renten stagnieren. Die Gesundheitskosten dagegen steigen stark an. Deshalb bleibt von der AHV immer weniger zum Leben.

Seit 1996 sind die AHV-Renten um 21 Prozent gestiegen. Gleichzeitig erhöhte sich die Krankenkassenprämie in der Grundversicherung um 148 Prozent, und die Pflegeheimkosten nahmen um 84 Prozent zu. (Datenquellen: BfS, BAG, BSV)

Bei der AHV ist für 2017 mit einer Nullrunde zu rechnen. Damit verharrt die maximale Einzelrente auf 2350 Franken pro Monat. Gleichzeitig aber nehmen die Krankenkassenprämien Jahr für Jahr deutlich zu. Vor 20 Jahren betrug die ordentliche Monatsprämie in der Grundversicherung noch 173 Franken. Inzwischen sind es 428 Franken. Das entspricht einer Zunahme von 148 Prozent. Demgegenüber haben sich die AHV-Renten lediglich um 21 Prozent erhöht (siehe Grafik).

Schuld am geringen Wachstum der Renten ist der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK), der seit 1996 nur um 14 Prozent gestiegen ist. Und der LIK bestimmt zusammen mit der Lohnentwicklung je zur Hälfte die Höhe der Renten (sogenannter Mischindex).

Doch weshalb haben die explodierenden Gesundheitskosten nicht zu einer höheren Inflationsrate geführt? Erstens sind die Krankenkassenprämien (als Transferausgaben) im LIK nicht erfasst. Zweitens gewichtet der LIK die Gesundheitskosten in seinem Warenkorb einheitlich mit 15,6 Prozent. Das mag zwar für einen durchschnittlichen Haushalt zutreffen. Wer allerdings weniger verdient, muss automatisch einen grösseren Anteil für die Krankenversicherung aufwenden. Und mit der Pensionierung geht nicht nur das Einkommen zurück. Auch die Gesundheits­ausgaben nehmen im ­Alter markant zu. Im Schnitt muss ein Rentner 9800 Franken pro Jahr einkalkulieren. Bei ­einem Aufenthalt im Alters- oder Pflegeheim wird es nochmals massiv teurer (detaillierte Zahlen finden Sie auf blog.migrosbank.ch ).

Die Analyse verdeutlicht, dass vielen Pensionierten unter dem Strich weniger Geld im Portemonnaie verbleibt, wenn die AHV-Renten stagnieren. Denn ihre steigenden Lebenshaltungskosten sind in der Renten berechnung zu wenig berücksichtigt.

Inzwischen ist die ausgewiesene Teuerung so stark negativ, dass gemäss dem geltenden Mischindex die AHV-Renten 2017 sogar sinken müssten. Ausser der Bundesrat beschliesst, das heutige Berechnungsmodell zu ändern. Nicht zuletzt die hohen Gesundheitsausgaben sprechen klar für einen solchen Schritt.

Warum von der AHV- Rente immer weniger zum Leben bleibt: blog.migrosbank.ch

Autor: Albert Steck