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22. Juli 2013

Im Test: Nokia Lumia 925

Das Smartphone Nokia Lumia 925 ist vor allem eines: ein Fotoprofi. Es überzeugt durch starke Bilder und witzige Funktionen.

Nokia Lumia 925
Nokia Lumia 925 (Bild: zVg).

Weniger als ein Jahr nach dem Marktstart des Nokia Lumia 920 wirft der finnische Hersteller bereits den Nachfolger auf den Markt. Dieser ist plötzlich in einen schlanken, silbrigen Alurahmen gepackt und hat 50 Gramm abgenommen. Weil Nokia diesmal auf knallige Farben verzichtet und das Gerät nur noch in Weiss, Schwarz und Grau anbietet, wirkt es sehr edel. Trotz des immer noch sehr breiten Gehäuses (7 Zentimeter!) liegt das Smartphone zumindest in grossen Händen angenehm und fühlt sich wertig an.

Die Ausstattung des Nokia Lumia 925 bleibt dagegen nahezu identisch. Weder bei Kamera, Akku, CPU noch beim Arbeitsspeicher oder den verwendeten Schnittstellen gibts eine Verbesserung (siehe technische Daten rechts). Schlimmer noch: Nokia reduziert die Speicherkapazität von 32 auf 16 GB – ein absolut unverständlicher Schritt. Einzig bei der Displaytechnik setzt das Unternehmen neu auf Amoled statt LCD. Das sorgt für klarere Kontraste und stärkere Farben. Immerhin etwas, aber für Besitzer des Vorgängers sicher kein Grund zu wechseln.

Starkes Softwarepaket

Software-seitig bietet das Lumia 925 mit Windows Phone 8 ein intuitiv bedienbares Betriebssystem. Besonders für Smartphone-Neulinge ist das clever aufgebaute System schneller zu erlernen, als der Umgang mit einem iPhone oder Android-Gerät. Der grosse Vorteil zur Konkurrenz: Die Kacheln auf dem Bildschirm informieren erstens über neue E-Mails, Kalendereinträge, Facebook-Nachrichten etc. und sind zweitens so miteinander verflochten, dass nur das angezeigt wird, was der Nutzer in dem Moment braucht. Zum Beispiel: Ist die Kamera aktiviert, zeigt das Telefon weitere Kamera-Apps. Bei den beiden anderen Betriebssystemen muss die Kamera geschlossen und das Gewünschte separat geöffnet werden. Ein unnötiger wie unverständlicher Umweg. Einziger Negativpunkt: Es fehlt der Schnellzugriff auf wichtige Funktionen wie W-Lan-Verbindungen etc.

Die Nokia-eigenen Applikationen mit der Bezeichnung «Here» überzeugen ebenfalls: So kann weltweites Kartenmaterial fürs Ausland gratis heruntergeladen und dort ohne teure Internetverbindung genutzt werden. Darüber hinaus lassen sich ÖV-Verbindungen vom aktuellen Standort zu einer Zieladresse grafisch hübsch aufbereitet abfragen (siehe Bild oben). Ersteres klappte im Test einwandfrei – die Daten für den öffentlichen Verkehr dagegen sind bis dato leider nur im Grossraum Zürich und in reduzierter Version in Bern und Genf verfügbar. Das Ausprobierte macht allerdings Lust auf mehr: Die Kombination aus Fussgänger-Navigation, Tram- und Zugverbindungen mit Fahrplandaten ist richtig nützlich. Erst recht, wenn Nokia sein Versprechen hält und die App mit Live-Daten wie z.B. Verspätungen bestückt. Für Autofahrer interessant: Die weltweit kostenlose Navigation, die nach den entsprechenden Downloads ebenfalls offline funktioniert. Nur: Alle genannten Funktionen sind entweder vollständig oder abgespeckt (Auto-Navigation) auf älteren Lumia-Geräten ebenfalls gratis verfügbar.

Klasse Kamera

Wie eingangs erwähnt, verbessert sich die Kamera qualitativ nicht. Das ist auch nicht zwingend nötig: Sie gehört nach wie vor zum Besten, was je in ein Smartphone integriert wurde. Im Unterschied zu seinem Vorgänger bietet das Lumia 925 aber derzeit einige spannende Zusatzfunktionen. Warum derzeit? Ein für August 2013 erwartetes Update spendiert die sogenannte Smart Cam auch älteren Geräten. Diese bringt einige witzige wie nützliche Funktionen mit: So lassen sich Bewegungen in einem Foto festhalten (siehe Bild oben) oder bewegte Objekte, die unerwünscht sind, entfernen. Das funktioniert so: Schiessen Anwender über die Smart Cam ein Foto, speichert das Gerät zehn Bilder ab. Diese lassen sich anschliessend wie erwähnt bearbeiten. Allerdings macht sich bei dieser ressourcenhungrigen Anwendung die schwachbrüstige Ausstattung bemerkbar. Das Telefon reagiert sehr träge, und unschöne Wartezeiten von einigen Sekunden müssen in Kauf genommen werden.

Photobeamer erlaubt die drahtlose Übertragung an jeden Browser.
Photobeamer erlaubt die drahtlose Übertragung an jeden Browser.

Zwei nette Spielereien hat das Lumia 925 noch in petto: Über die mitgelieferte App Cinemagramm integriert das Gerät ein Video in ein Foto, sodass Letzteres einen animierten Bereich enthält (Beispiel: Animierter Ventilator ). Das erfordert eine kostenlose Registrierung bei Nokia, um die Datei auf einem Server des Unternehmens zwischenzulagern. Wer aber gerne mit multimedialen Elementen spielt, findet bestimmt Gefallen daran. Und nicht zuletzt ermöglicht das Gerät lokal gespeicherte Fotos drahtlos an jedes beliebige Gerät mit einem installierten Browser (Tablet, PC, Laptop, Fernseher etc.) zu übertragen. Dazu muss beim Browser die Website www.photobeamer.com und auf dem Lumia 925 die gleichnamige App geöffnet werden. Jetzt gilt es, das gewünschte Foto auszuwählen und mit der Kamera den auf dem Bildschirm angezeigten QR-Code zu scannen (siehe Bild links) – und innert weniger Sekunden lacht es vom grossen Display.

Fazit: Gutes Gerät, ungenügendes Upgrade

Wer schon ein Gerät der Lumia-Reihe von Nokia besitzt, muss nicht auf den neusten Wurf umsteigen. Hardware-seitig verbessert sich bloss die Anzeigequalität des Bildschirms, ansonsten bleibt alles beim Alten. Funktionell lassen sich die Veränderungen durchaus sehen, aber diese kommen auch Besitzern von älteren Nokias zugute. Zudem steht mit dem Lumia 1020 schon das nächste Gerät in den Startlöchern (Verkaufsstart in der Schweiz vermutlich gegen Ende Jahr).

Unabhängig davon ist das edle Nokia Lumia 925 ein sehr gutes Smartphone, das angenehm in einer grossen Hand liegt und sich intuitiv steuern lässt. Es reagiert bei Standard-Apps (Browser, E-Mail, Spiele) zackig, schwächelt aber bei ressourcenhungrigen Anwendungen. Wie bei seinem Vorgänger überzeugt die hohe Qualität der Kamera und besonders die Navigations- und Kartenapplikationen «Here».

Autor: Reto Vogt