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03. Juni 2013

Im Test: Microsoft Surface Pro

Am Donnerstag startet in der Schweiz der Verkauf des Microsoft-Tablets Surface Pro. Migrosmagazin.ch hat das Gerät auf Herz und Nieren getestet und sagt, ob die Kombination aus Spielzeug und Arbeitsgerät funktioniert. Plus: Die besten Windows-8-Apps.

Test Microsoft Surface Pro
Im Testeinsatz: Microsoft Surface Pro

Das iPad hat zwei grosse Nachteile: Ihm fehlt eine richtige Tastatur. Zudem lassen sich nur Programme aus dem hauseigenen App-Universum installieren. Beides ist bei Microsofts Konkurrenz-Tablet Surface Pro nicht der Fall. Der Hersteller positioniert das Gerät als Büroarbeiter und installiert ein vollständiges Windows-8-Betriebssystem – allerdings kein Office mit Word, Excel und Co. Ebenfalls nicht ganz konsequent ist er bei der Tastatur: Diese gibts in zwei Ausführungen (Soft Cover für 130 bzw. Type Cover für 140 Franken) und wird separat verkauft, statt sie im ohnehin happigen Preis von mindestens 960 Franken einzuschliessen. Insgesamt also eine teure Angelegenheit, dieses Surface Pro. Denn ohne Tastatur ist das Tablet wenig nützlich.

Fragwürdig: Halterung

Besitzt man beides, lässt sich der 10,6-Zoll grosse Bildschirm ganz einfach über eine proprietäre magnetische Schnittstelle an der Tastatur befestigen. Die Verbindung ist stabil und wackelt nicht. Anders verhält es sich jedoch beim herausklappbaren Ständer: Zwar steht das Gerät sicher auf einer flachen Unterlage, eignet sich aber ausdrücklich nicht, um damit zum Beispiel im Zug auf dem Schoss zu arbeiten. Ausserdem lässt sich der Neigungswinkel des Bildschirms nicht den eigenen ergonomischen Bedürfnissen anpassen. Immerhin: Die eingebauten Kameras auf der Vor- und Rückseite sind auf den vorgegebenen Winkel ausgerichtet und zeigen einen optimalen Bildausschnitt. Die Auflösung von 720p eignet sich allerdings nur für Videokonferenzen und nicht fürs Fotografieren. Letzteres ist aufgrund des hohen Gewichts von 900 Gramm aber auch nicht praktikabel.

Stimmig: Leistung

Angetrieben vom 1,7 GHz schnellen Zwei-Kern-Prozessor und 4 GB Arbeitsspeicher liefert das Surface Pro eine stimmige Leistung ab und ist innert sechs Sekunden betriebsbereit. Im «PC Mark 7»-Test erreicht das Gerät 4500 Punkte, was im Vergleich mit ähnlichen Geräten einen ordentlichen Mittelfeldplatz bedeutet. Dabei sticht besonders die SSD-Festplatte mit wahlweise 64 oder 128 GB Speicherplatz (wovon rund 30 GB das System belegen) hervor: Sie erreicht im Windows-Leistungsindex 8,1 von 9,9 möglichen Zählern. Von der guten Hardware profitiert vor allem der Internet Explorer 10, der in der «Peacekeeper»-Messung starke 2012 Punkte erreicht und damit fast doppelt so gut abschneidet wie der Safari-Browser des iPad 4 mit 951. Das spüren Vielsurfer im Alltag. Leider fehlt für den Internetzugang von unterwegs eine 3G- bzw. LTE-Schnittstelle – schade.

Angenehm: Bedienung

In der Praxis lässt sich das Surface Pro angenehm bedienen. Sämtliche Programme starten verzögerungsfrei und ruckeln nicht. Besonders die Kombination aus Touchscreen und vollständiger Tastatur gefällt und sorgt nach einer kurzen Eingewöhnungsphase für eine intuitive Steuerung, weil die Vorteile des Betriebssystems Windows 8 Pro dadurch zum Tragen kommen. Zum Lieferumfang gehört ein Eingabestift, mit dem sich handschriftliche Notizen erfassen lassen. Im Test funktioniert das einwandfrei. Nicht wirklich durchdacht ist allerdings dessen Halterung: Diese wird vom Stromadapter blockiert, wenn man den Akku des Geräts auflädt. Apropos Akku – dieser ist im Test bei eingeschaltetem WLAN und Bluetooth ohne weitere Einwirkungen bereits nach kurzen fünf Stunden leer.

Fazit: Durchwachsen

Microsofts Surface Pro überzeugt durch seine starke Ausstattung und eine gute Leistung. Leider ist es mit einem Gewicht von 900 Gramm zu schwer, um es über längere Zeit als reines Tablet in den Händen zu halten. Ohne Tastatur ist das Gerät deshalb wenig praxistauglich und erfordert somit mindestens eine Investition von fast 1100 Franken. Das ist sehr viel Geld für ein Gerät mit einem Display, das mit seinen 10,6 Zoll die Untergrenze für bequemes Arbeiten kratzt, wenn nicht unterschreitet. Es bleibt jedoch die gute Leistung und der positive Eindruck des Betriebssystems in Kombination mit einem Touchscreen. Weil das Surface Pro letzten Endes aber nicht die passende Hülle dafür liefert, empfiehlt es sich, zu einem Gerät eines klassischen Hardware-Herstellers wie Dell, HP oder Lenovo mit Windows 8 Pro zu greifen.

Autor: Reto Vogt