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12. August 2013

Im Test: Bowers & Wilkins Zeppelin Air Lightning

Der edle Musikspieler richtet sich an iPhone-Besitzer. Ob er das teure Geld wert ist, verrät der Migros-Magazin-Test.

Der Bowers & Wilkins Zeppelin Air Lightning
Designobjekt mit guter Soundqualität: Der Bowers & Wilkins Zeppelin Air Lightning.

Rückseitig vollständig mit schwarzem Klavierlack gepinselt und vorne mit hauchdünnem Stoff bezogen, macht der Zeppelin Air Lightning eine edle Figur. Durch seine längliche Bauform braucht das Gerät im Wohnzimmer aber viel Stellraum und fordert durch seine bestechende Optik geradezu einen Platz im Zentrum der Wohnung. Zudem muss sein Standort mindestens 6 Kilogramm Gewicht aushalten. Weil ein Display fehlt und lediglich Ausschalter und Lautstärkeregler montiert sind, braucht das musikalische Flugobjekt eine Fernbedienung: ein iPhone, iPad oder iPod.

Nebst Apple-Geräten unterstützt der rund 700 Franken teure Zeppelin Android-Telefone mit der App «Honey Player» und Windows-PCs mit iTunes. Konzipiert ist der Zeppelin jedoch ganz klar für Apfel-Geräte. Stecken Nutzer ihr iPhone oder ihren iPod auf den silbrig hervorstehenden Lightning-Stecker des Geräts (Anschluss vom iPhone 5/neuste iPods; ältere Geräte nicht unterstützt), spielt das Gerät vom britischen Audiospezialisten Bowers & Wilkins anstandslos alles – unabhängig davon, ob die Quelle YouTube, Spotify oder iTunes ist. Die Verarbeitung überzeugt. Im Test hält das Telefon wunderbar und wackelt nicht.

Mühsame Konfiguration
Schwieriger wirds, wenn Anwender die Drahtlosverbindung nutzen wollen. Der Zeppelin unterstützt Apples AirPlay-Funktion, bei der zwei Geräte im gleichen W-Lan-Netz schnurlos miteinander kommunizieren können. Diese technische Voraussetzung erfordert demzufolge, dass sich der Lautsprecher ins heimische Netzwerk einloggen muss. Im Test stellt das einige Schwierigkeiten dar, insbesondere weil dem Gerät ein Display und ebenso eine Gebrauchsanweisung fehlen. Erst eine Google-Recherche zeigt, dass unterschiedlich farbiges Blinken der Mini-LED-Leuchte wichtige Hinweise senden ( Link zur Gebrauchsanweisung ).

Die notwendige App wird heruntergeladen
Die notwendige App wird heruntergeladen.

Zunächst will aber gar nichts klappen. Weder über die kostenlose App, noch eine direkte Lan-Verbindung zum Notebook. Erst ein Reset bringt den Zeppelin zur Räson und parkiert ihn wieder in der Ausgangsposition. Jetzt klappt es: Die App «Bowers & Wilkins Control» erkennt das Gerät und kuppelt es in wenigen Schritten mit dem W-Lan. Die Applikation selbst ist aber wenig intuitiv: Zu kleine Buttons verunmöglichen einen logischen Ablauf, und zudem ist sie nicht wie der Musikspieler selbst iPhone-5-tauglich, sondern orientiert sich immer noch am kleinen Bildschirm des Vorgängers. Unwichtig? Unschön! Wer sich für ein edles Gerät entscheidet, darf auch eine edle App erwarten.

Starke Audioqualität
Um Fehler auszuschliessen, versucht der Tester nach einem zweiten Reset eine Verbindung herzustellen. Das klappt anstandslos. Die Musik ertönt bei einer Ausgangsleistung von 2 x 25 Watt Hochtöner, 2 x 25 Watt Mitteltöner und 1 x 50 Watt Bass. Sie ist beeindruckend. Für ein Gerät dieser Grösse liefert der Zeppelin erstaunlich gute Bässe und Mitteltöne. Einzig bei Hochtönen bei erhöhter Lautstärke schwächelt es ein wenig. Zudem stören im AirPlay-Betrieb die kleinen Verzögerungen beim Überspringen von Musiktiteln: Wenn auf dem iPhone bereits der nächste Song gezeigt wird, braucht es zwei bis drei Sekunden, bis das beim Zeppelin ankommt. Das passiert nicht, wenn das Telefon am Gerät befestigt ist, dort hat es ausserdem den netten Nebeneffekt, dass sich das iPhone automatisch auflädt.

Fazit: Kein Schnäppchen
Für Apple-Fans, die eine hohe Audioqualität gepaart mit edlem Design schätzen, eignet sich der Bowers & Wilkins Zeppelin Air Lightning hervorragend. Einzig das Einrichten ist ein mühsamer, langwieriger Prozess, der vom Hersteller leider nicht mit einer Gebrauchsanweisung begleitet wird. Immerhin: Das ist ein einmaliger Prozess, der den anschliessend jahrelangen Musikgenuss nur unwesentlich trübt. Denn die Audioqualität ist für ein Gerät dieser Grösse stark und in fast jeder Tonlage und Lautstärke überzeugend.
Die Kosten von rund 700 Franken sind kein Schnäppchen, aber eine lohnenswerte Investition.

Autor: Reto Vogt