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02. Mai 2016

Im Land der Immobilienblase

Die Hauspreise steigen in rasantem Tempo, verdoppelten sich in 12 Jahren. Zudem fehlen über 100'000 Wohnungen. Ist die Schweiz das Land der Immobilienblase? Die Wahrheit zur Entwicklung der Immobilienpreise seit 1975 (oben).

Entwicklung der Immobilienpreise in Schweden und der Schweiz
Preisverdoppelung in 12 Jahren: Reale Entwicklung der Immobilienpreise in Schweden und der Schweiz – Letztere sind unterteilt in Wohnungen und Häuser. Die Zahlen auf der rechten Seite zeigen den realen Preisanstieg seit 2003. (Quelle: SNB/OECD/Statistics Sweden)

Welches Land meine ich? Es liegt in Europa und hat weniger als zehn Millionen Einwohner. Der Staat ist gering verschuldet, die Finanzkrise wurde mustergültig gemeistert. Ein weiteres Merkmal ist die hohe Zahl an Einwanderern. Und: Das Land leidet an einer gefährlichen Immobilienblase.

Nein, ich spreche nicht von der Schweiz. Sondern von Schweden. Die Immobilienpreise schiessen dort in beängstigendem Tempo nach oben: Allein im letzten Jahr verteuerten sie sich um 13 Prozent, in drei Jahren sogar um satte 29 Prozent. Während der Immobilienmarkt in der Schweiz zu einer sanften Landung ansetzt, wird die Überhitzung in Schweden immer extremer (siehe oben).

Was läuft schief in Schweden? Gleich wie in der Schweiz hat die Zuwanderung auch dort den Bedarf an Wohnraum stark erhöht. Doch während bei uns pro Jahr gut 40'000 neue Wohneinheiten auf den Markt kommen, sind es in Schweden seit Jahren nur 25 000 – obwohl das Land 1,5 Millionen Einwohner mehr zählt. Ein wesentlicher Grund für die schwache Bautätigkeit sind die restriktiven Vorschriften. Für ein Mehrfamilienhaus dauert die Planung und Erstellung meistens etwa zehn Jahre. Bereits fehlen dem Land rund 150 000 Wohneinheiten, Tendenz stark steigend.

Zudem hat Schweden einen schlecht funktionierenden Mietwohnungsmarkt. Der Anteil der Mieter ist mit 30 Prozent nur gerade halb so hoch wie in der Schweiz. Wer in Schweden kein bezahlbares Haus mehr findet, kann deshalb nur schwer auf eine Mietwohnung ausweichen. Besonders in Stockholm mit seinen 800'000 Einwohnern ist das Angebot stark reglementiert: Die meisten Wohnungen sind in kommunalem Besitz.
Die Wartezeit beträgt im Schnitt acht Jahre, in attraktiven Zentrumslagen sind es über 20 Jahre.

Von solch dramatischen Zuständen ist die Schweiz weit entfernt. Zwar braucht es auch hierzulande Geduld, um eine passende Wohnung zu finden. Und die Preise sind ebenfalls spürbar gestiegen. Doch anders als
in Schweden hat der hiesige Immobilienmarkt erstaunlich flexibel auf die grössere Nachfrage reagiert.
Eine wirkliche Wohnungsmisere zeichnet sich bei uns zum Glück nicht ab. 

Lesen Sie auf blog.migrosbank.ch: So hoch sind die Schweizer Hauspreise im europäischen Vergleich.

Autor: Albert Steck