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13. Juni 2016

Im Haushalt geht nichts über Teamwork

Hausarbeit per Ämtlivergabe? Bei Familie Hauenschild Kruse war diese Idee nach ein paar Versuchen vom Tisch. Besser läufts nach dem Motto: Absprache ist besser als ein fixer Einsatzplan. Planen oder belohnen: Wie läuft es bei Ihnen?

Lilli, Anke, Jonathan und Matthias
Kneifen gilt in dieser Familie nicht: Lilli, Anke, Jonathan und Matthias (von links). «Gemeinsame Putzaktionen finde ich oft ganz lustig», meint Lilli, Jonathan ergänzt: «Zusammen kochen oder putzen ist überhaupt nicht schlimm!».

Das helle Wohnzimmer im Luzerner Altbauhaus ist perfekt aufgeräumt. Die Familie ist erst vor wenigen Wochen eingezogen. Aber auch später wird es kaum anders aussehen: Anke Hauenschild (45) und Matthias Kruse (39) mögen es beide sauber und ordentlich. Und irgendwie haben sie es geschafft, dass ihre beiden Kinder, Lilli (11) und Jonathan (8), ohne grosse Diskussionen mitziehen.

Ihr Trick? «Wir fingen früh damit an, die Kinder in die Hausarbeit einzubeziehen», sagt Anke Hauenschild. Schon als Knirpse von ein, zwei Jahren halfen Lilli und Jonathan eifrig mit, Wäsche in die Maschine zu stopfen oder aufzuhängen, fuhren mit dem Besen durch die Zimmer oder schnippelten sorgfältig Gemüsestücklein.

Lilli: «Kompostkübel raustragen mag ich nicht – das ist eklig!»
Lilli: «Kompostkübel raustragen mag ich nicht – das ist eklig!»

«In diesem Alter war das ja noch überhaupt kein Problem», sagt Matthias Kruse mit einem Augenzwinkern: «Damals machten die Kinder begeistert mit, das war für sie spannend.»
Wie bei fast allen Kindern verloren die Hausarbeiten auch für Lilli und Jonathan mit der Zeit ihren Reiz. Schulaufgaben und Freunde treffen wurden wichtiger als Staubsaugen und Waschen.

Alle helfen überall mit

Irgendwann erwogen die Eltern, einen Ämtliplan einzuführen. Heute lachen sie darüber. «Wir haben rasch gemerkt, dass das nicht funktioniert», erzählt Anke Hauenschild. «Einmal war der Tisch­decker nicht ­daheim, mal die Abräumerin – und dann musste es trotzdem jemand ­anderes tun.»
Sie nahmen ein paar Anläufe. «Ämtliplan – das klingt zwar organisiert», findet Matthias Kruse. «Aber es tönte besser, als es war.» Und so brach die Familie sämtliche Versuche nach kurzer Zeit ab.

Stattdessen richteten sie es wieder ein wie zuvor: mit Absprachen und nach dem Motto «Alle helfen mit». Das machen auch die Eltern untereinander so aus: Sie arbeitet zu 80 Prozent als Berufsschullehrerin, er zu 90 Prozent als Musikinstrumentenreparateur. Beide teilen sich das Waschen, Putzen, Kochen und die Kinderbetreuung.

Zum Glück ergänzen sie sich gut. «Ich hasse Betten beziehen», sagt Matthias Kruse. Das hingegen macht Anke Hauenschild ganz gern, «auch Weingläser polieren ist meine Aufgabe». Dafür putzt er Kaffeemaschine und Fahrräder.
Und die Kinder helfen überall mit. So wie die Eltern haben auch sie eine gute Arbeitsaufteilung gefunden: «Ich mag es zum Beispiel gar nicht, den stinkenden Kompostkübel rauszutragen», sagt Lilli. «Das finde ich eklig.» Jonathan grinst verschmitzt, ihm macht das überhaupt nichts aus. «Dafür decke ich gar nicht gern den Tisch, dabei muss ich immer so viel denken.»

Meist geht das so bestens auf, und eines der Kinder ist zur Stelle, wenn die Eltern fragen: «Könnt ihr bitte den Tisch decken?» oder «Wer räumt das Geschirr in die Spülmaschine?»
Genau genommen, und alle vier überlegen eine Weile, kennen sie keine Familie, bei der ein Ämtliplan so wirklich gut funktioniert. Das empfiehlt zwar Erziehungsberaterin Silvia Berri dem Frieden zuliebe (rechts im Interview). «Aber wenn die Eltern mit dem Vorbild vorangehen, hilft das natürlich sehr», findet Silvia Berri.

Keine lästige Pflicht

«So lernen die Kinder, dass Hausarbeit etwas ist, das alle gemeinsam erledigen, und nicht eine lästige Pflicht ist, die man husch, husch abarbeitet, während alles andere wichtiger ist.»
Natürlich ist das Mithelfen im Haushalt auch für Lilli und Jonathan manchmal lästig. Aber meistens packen sie ohne grosses Murren mit an: Die alte Wohnung putzte die Familie nach dem Auszug gemeinsam in einer Grossaktion.

Verstecken gilt nicht
Verstecken gilt nicht bei der Hausarbeit.

Ob das helle Wohnzimmer immer noch so piekfein sauber und ordentlich bleibt, wenn Lilli und Jonathan in die Pubertät kommen, wird sich zeigen. Anke Hauenschild hofft, dass dann gemeinsame Putzaktionen und das Gefühl «zusammen schaffen wir das locker» immer noch funktionieren werden.
Und für Matthias Kruse ist klar: «Hotel Mama ­und Papa gibt es nicht. Das würde für uns nicht stimmen.» 

WIE MOTIVIEREN SIE IHR KIND ZU HAUSARBEIT?
Planen Sie Ämtchen (lange) im Voraus, und belohnen Sie Kinder für Mithilfe im Haushalt?
Verraten Sie Ihr Rezept im Kommentar.

Autor: Claudia Weiss

Fotograf: Monique Wittwer