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20. April 2015

Depression: Im Dauertief

Stimmungstiefs gehören zum Leben. Wer aber dauernd Mühe hat, im Alltag zu bestehen, der leidet unter einer Depression und sollte sich ärztliche Unterstützung holen.

Depression: Im Dauertief
Niemandem gehts immer gut (Bild: Getty Images).

Wer kennt sie nicht, die Momente, in denen wir uns traurig, einsam oder niedergeschlagen fühlen? Stimmungstiefs gehören zu unserem Leben – wo Licht ist, da sind auch Schatten. Was aber, wenn die Schatten grösser werden und wir

• unser Selbstvertrauen verlieren

• nicht mehr schlafen können

• uns erschöpft fühlen

• uns nicht mehr konzentrieren können

• die Freude und das Interesse an vielen Dingen verlieren

• ängstlich und nervös sind oder oft Kopfschmerzen haben

• Beschwerden wie Magenprobleme, Kopf-, Rücken- oder andere Schmerzen haben

• keine Lust auf Sex haben

• uns für alles zuerst überwinden müssen

Treten drei oder mehrere dieser Symptome gleichzeitig und während mindestens 14 Tagen auf, können sie auf eine depressive Erkrankung hinweisen. Die Depression ist individuell wie der Mensch, der unter ihr leidet. Eine Depression unterscheidet sich von einem Stimmungstief. Wer depressiv ist, hat grosse Mühe, im Alltag zu bestehen und soziale Kontakte zu pflegen. Arbeitsunfähigkeit kann eine Folge davon sein. In der Schweiz leiden rund 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung mindestens ein Mal in ihrem Leben an einer Depression.

Stress, Trauma, Vererbung

Die Ursachen einer Depression sind nicht vollumfänglich geklärt. Mögliche Auslöser einer Depression können anhaltender negativer Stress, belastende Lebenssituationen, traumatische Kindheitserlebnisse, Mobbing, Arbeitslosigkeit, der Tod eines geliebten Menschen, Alkohol- und Drogensucht und weitere Gründe mehr sein, etwa eine erbliche Komponente.

Ungleichgewicht im Gehirn

Viele depressive Menschen halten sich nicht für krank, sondern für Versager. Dabei ist die Depression aus medizinischer Sicht eine Krankheit. Viele Fachleute vermuten heute, dass für eine Depression unter anderem ein Ungleichgewicht bestimmter Botenstoffe im Gehirn (sogenannte Neurotransmitter) verantwortlich ist. In der Therapie werden deshalb auch Medikamente eingesetzt, die dieses Ungleichgewicht im chemischen Haushalt des Gehirns wiederherstellen.

Bei Suizidgefahr Hospitalisation nötig

Depressionen lassen sich im Allgemeinen gut ambulant behandeln. Zur Verfügung stehen verschiedene psychotherapeutische Methoden, Medikamente sowie seltener auch Lichttherapie, Wachtherapie (Schlafentzug) und in ganz schweren Fällen die Elektrokrampfbehandlung. Ist die Depression sehr schwer oder droht Suizidgefahr, ist eine Hospitalisation hilfreich.

Autor: Patrik Noack