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14. Januar 2013

Ihr Kinderlein kommet

Nach vielen Jahren mit rückläufigen Zahlen melden die Spitäler rekordhohe Geburtenraten.

Kinder und Familie haben wieder einen höheren Stellenwert.
Wertewandel in der Gesellschaft: Kinder und Familie haben wieder einen höheren Stellenwert. (Bild: Blickwinkel/bab.ch)

Seit drei Jahren steigt die Zahl der Neugeborenen in der Schweiz stetig, schätzungsweise 80000 pro Jahr sind es inzwischen. Im Vergleich zu vor zehn Jahren ein Zuwachs von rund zehn Prozent. Die Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) bestätigt auch Daniel Surbek (50), Chefarzt und Professor für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Frauenklinik des Inselspitals Bern: «Wir haben tatsächlich wieder mehr Geburten zu verzeichnen. Mit 1454 Babys allein im Inselspital waren es 2012 so viele, wie seit 32 Jahren nicht mehr.»

Warum das so ist, sei schwer zu sagen, so Daniel Surbek. Das Argument, wonach vor allem die zunehmende Migration zu volleren Gebärsälen führe, stimmt seiner Beobachtung nach keineswegs: «Auch in der Schweizer Bevölkerung scheinen mir Kinder und Familie wieder einen grösseren Stellenwert bekommen zu haben. Es gibt wieder mehr Zwei- und Dreikindfamilien, und das Thema Sterilisation gleich nach der Geburt wird viel weniger oft angesprochen als noch vor einigen Jahren.» Begünstigt werde dies auch durch die solide wirtschaftliche Situation in der Schweiz, vermutet Surbek. Denn die Zunahme der Geburten sei keineswegs europaweit zu beobachten – in vielen ärmeren Nachbarländern seien sie rückläufig.

Zwei weitere Gründe für den Babyboom führt Daniel Surbek an: die Zunahme an künstlichen Befruchtungen und das gestiegene Durchschnittsalter der Gebärenden. Laut Studien führt rund jede fünfte künstliche Zeugung zu Mehrlingsgeburten. Ebenfalls belegt ist, dass mit zunehmendem Alter der Mütter auch die Wahrscheinlichkeit für die Geburt zweieiiger Zwillinge steigt.

Doch nicht alle Schweizer Spitäler können mehr Geburten melden. Das hat laut Daniel Surbek vornehmlich strukturelle Gründe: «Einige Spitäler haben ihre Kapazitätsgrenzen erreicht.» Beim Inselspital sei es zwar noch nicht so weit, aber man habe aufgrund der vielen Geburten auch bereits mehr Leute einstellen müssen.

Autor: Andrea Fischer Schulthess