Archiv
03. Dezember 2012

iGod und seine Apple-Jünger

Apple sei nicht nur ein Konzern, sondern auch eine Religion. Dies behauptet eine kanadische Religionswissenschafterin.

Apple-Jünger
Mehr als ein Gerät: Produkte von Apple haben eine überhöhte Ausstrahlung. (Bild: Getty Images)

Wir haben es längst geahnt, doch nun will Kirsten Bell von der Universität von British Columbia den wissenschaftlichen Beweis erbracht haben: Apple-Fans behandeln ihr iPhone wie einen sakralen Gegenstand und verehren den Apple-Chef wie einen Heiligen.

Gemäss ZDNet.com, der Online-Fachzeitschrift der IT-Branche, definiert Bell Religion wie folgt: Erstens muss ein charismatischer Führer vorhanden sein, der zum Gott erhoben wird. Zweitens finden ein Formungsprozess und eine Gehirnwäsche der Anhänger statt, und drittens werden die Anhänger (ökonomisch) ausgebeutet. Auch wenn die Definition eher zu Sekten passt, kann sie gemäss Bell problemlos auf Apple angewendet werden: Der verstorbene Steve Jobs — auch «iGod» oder «Apple-Guru» genannt — wurde zu einem Messias hochstilisiert, der die neusten Apple-Produkte in einer Art liturgischem Gewand (Rollkragenpullover, Jeans, Turnschuhe) präsentierte. Ähnlich macht dies auch sein Nachfolger Tim Cook. An den beinahe okkulten Veranstaltungen (Keynotes) dürfen nur ausgewählte Journalisten und Blogger beiwohnen, die später über die erlebten Wunder in überhöhter Form berichten.

Bereits vor einem Jahr haben Neurologen im Auftrag der BBC nachzuweisen versucht, dass religiöse Gefühle bei den Apple-Anhängern bestehen: Gemäss
einem Experiment werden bei Apple-Fans, denen ein iPhone oder ein iPad vorgelegt wird, ähnliche Gehirnregionen stimuliert wie bei religiösen Menschen, wenn sie Heiligenbilder betrachten. Warum sonst sollten verblendete «Apple-Jünger» nach stunden- oder tagelangem Anstehen vor dem Apple Store Produkte kaufen, die in ähnlicher Form bei der Konkurrenz günstiger zu haben wären? Schliesslich bieten Samsung-Smartphones oder neue Windows-8-Modelle etwa die gleiche Funktionalität wie das iPhone.

Autor: Felix Raymann