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01. Juli 2013

Igittigitt 2.0

Igittigitt Spielförmchen
Mami ist wirklich auf alles stolz.

Neulich habe ich gebeichtet, dass ich zur Not auch die durchgekauten Wurstreste esse, die aus dem Mund meiner Zweijährigen gefallen sind ( Kolumne Nr. 34 ). Da ich mit diesem Bekenntnis offensichtlich einen Nerv getroffen habe, setze ich nun mit Genuss eins drauf: Wir Mamis lieben unsere Kleinen abgöttisch. Logisch, dass wir auch total auf alle Dinge stehen, die aus den Kindern herauskommen. Ich betone: auf alle Dinge. Das beste Beispiel sind Darmausscheidungen. In vielen Haushalten ist eine gut gefüllte Stinkwindel – whooo-hooo! – mindestens einen Facebook-Eintrag wert. (Mit oder ohne Beweisfoti – je nachdem, wie beeindruckend das Ergebnis ausgefallen ist.) Eine gute Verdauung bereitet Müttern rund um die Welt Freude. Das heisst doch nichts anderes, als dass es den Babys gut geht, oder?

Aus eigener Erfahrung weiss ich aber, dass diese Fixierung auf Bisi-Gaggi und Co. zur Obsession werden kann. Es ist noch gar nicht lange her, da drückte Eva ein türkisfarbenes Würstchen in ihre Windel. Ich geriet in Panik. Das grosse Geschäft sah nämlich nicht annähernd so aus wie auf dem Plakat, das in der Praxis unserer Kinderärztin hängt. Dort hatte ich gelernt, welche Stuhlfarben bei Babys und Kleinkindern normal sind. Gelb ist okay. Orange ist okay. Grün auch. Und Braun sowieso. Wussten Sie, dass die Zwerge die gesamte Farbpalette des Herbstes reproduzieren können? Auf besagtem Plakat fehlte definitiv Türkis.

Deswegen lief der Hypochonder in mir zur Höchstform auf. Was hatte meine arme Eva? Ich dachte an die gefürchtete Schlumpf-Diarrhoe. Lachen Sie nicht. Das geht ganz harmlos mit blauen Würsten los. Und am Schluss wächst den Infizierten dann eine weisse Zipfelmütze.

Ich wollte gerade die Pampers mit dem Corpus delicti darin eintuppern und zu unserer Kinderärztin fahren, da fiel es mir plötzlich ein. Am Vortag hatten meine Mädchen mit dem Playmais gespielt. Sie kennen diese Teile vielleicht. Das sind zylinderförmige Maisstärkechips, die man mit etwas Wasser zusammenkleben kann. Offensichtlich hatte der kleine Fratz in einem unbeaufsichtigten Moment mehrere blaue Playmais-Teile verspeist. (Mentale Notiz an dieser Stelle: Dem Kind unbedingt mehr zu essen geben.)

Da ich ein fürsorgliches Mami bin, kontrollierte ich sofort die Liste der Playmais-Inhaltsstoffe. Entwarnung. Das Spielzeug enthielt nur Lebensmittelfarbe. Das stand zumindest in fetter Leuchtschrift auf der Verpackung. Offensichtlich ist mein Kind nicht das Erste, das die Stärkechips mit Flips verwechselt hat.

Autor: Bettina Leinenbach

Fotograf: Bettina Leinenbach