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24. Juni 2013

Igittigitt

Mamma Mia Kolumne
Mit dem Kind im Wägeli macht das Einkaufen doppelt Spass (Bild: Getty Images).

Eva sass im Einkaufswagen und stopfte sich das Wursträdli in den Mund, das sie gerade von der netten Verkäuferin geschenkt bekommen hatte. Dann drückte sie ihre kleine Hand auf ihre Lippen, um sicherzustellen, dass die Wurst drinnen blieb. Während ich den Wagen weiter durch die Gänge des Supermarktes stiess, kaute sie andächtig.

«Isch s fein?»

«Jo, Momi, foin.»

Ich hüllte gerade das Schälchen Thurgauer Erdbeeren in einen Plastiksack und stellte es neben die Vollmilch in den Wagen, als Eva beschloss, dass sie nun fertig mit der Wurst war. Statt – wie ein ordentliches Kind das gemacht hätte – den Rest des rosafarbenen Breis zu schlucken, spuckte sie die Pampe wieder aus. Nun hingen die durchspeichelten Wurstbröckchen an ihrem Kinn.

Mist! Da ich mal wieder keine Feuchttücher eingepackt hatte und sich in meiner Handtasche auch nichts Adäquates fand, mit dem man die Sauerei wegwischen konnte, tat ich das, was die meisten Mütter in der Situation getan hätten: Ich klaubte die Wurstreste von Evas Kinn und steckte sie mir in den Mund.

Mega eklig, gell? Aber was soll Frau in so einer Situation tun? Warten, bis die Bröckchen auf den Boden fallen und ein Grosi darauf ausrutscht? Die Reste des Wurstgemetzels dezent an einen Tiefkühler der Fleischabteilung schmieren? Das Kind zum Schlucken zwingen? – Alles keine echten Optionen, wenn Sie mich fragen. In solchen Momenten müssen praktikable Lösungen her. Deswegen schlucke ich. Es klingt verrückt, aber das ist meine Problemlösungsstrategie. Ich esse übrigens nicht nur durchgekaute Wienerli, ich schlinge auch Apfelschnitze, die schon über den Boden gerollt sind, hinunter. Und ich schrecke auch vor Getränken nicht zurück, die von den vielen Schwebteilen schon ganz trüb sind. Fragen Sie jetzt nicht, was mein Würgereflex in der Zeit macht. Ich muss ihn während der ersten Schwangerschaft verloren haben. Glaube ich zumindest. Denn seither bin ich hart im Nehmen. Dass ich durch das viele «Aufräum-Essen» schon locker drei Kilo zugenommen habe, muss ich wohl nicht mehr erwähnen, gell?

Natürlich kann selbst ich nicht alle ekligen Sachen auf diese Art aus der Welt schaffen. (Ich bin nämlich keine Fuchsmutter. Die fressen ja angeblich die Exkremente ihrer Jungen, wenn sie den Bau putzen.) Meine Kinder sind sich da aber nicht so sicher.

Neulich angelte Ida einen riesigen Popel aus ihrem kleinen Näschen. Er war grün und an einer Seite etwas angetrocknet. Haben Sie das Bild vor Augen? Okay, dachte ich mir schon. Sie hielt mir den «Böögg» hin. Obwohl er aus ihrer Nase gekommen war, war nun offensichtlich ich zuständig. Da ich auch in diesem Fall kein Taschentuch zur Hand hatte, wollte Ida den Rotz unter die Tischplatte kleben. Das, so erklärte ich ihr, würden nur Schweine machen. Dann zuckte sie mit den Schultern und steckte sich den Rotz in den Mund. Ich schrie entsetzt auf. Sie blieb cool und meinte nur: «Aber, Mami, du isst doch auch immer die Resten.»

Autor: Bettina Leinenbach