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09. Dezember 2013

«Ich war schon immer eine Händlernatur»

Christian Herren
Christian Herren (21), Kunstkurator.

Alles begann mit dem alten Globus seiner Grossmutter: Er weckte in Christian Herren das Interesse für Ahnenforschung, Geschichte und Kunst. Schon mit 13 Jahren arbeitete er in einem Auktionshaus in Bern. Vier Jahre später eröffnete er seine eigene Galerie. Nach der Matura begann er ein Kunstgeschichte-Studium in Basel. Kurz vor dem Bachelor-Abschluss unterbrach er das Studium, um die Bromer Art Collection in Roggwil BE zu lancieren. Heute beschäftigt er sich als freier Kurator und eröffnet im kommenden Jahr zusammen mit drei Partnern einen neuen Kunstraum sowie ein Modelabel.

Was wollten Sie als Kind werden?

Mein Kindheitstraum war es, Pilot zu werden. Doch dann merkte ich, dass es nicht nur um Reisen und fremde Kulturen geht: Man braucht auch ein mathematisches Verständnis. Mit 12 wurde mir dann klar, dass ich etwas mit Kunst und Kultur machen möchte.

Wie haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Als ich acht war, habe ich auf der Strasse Bärlauch verkauft. Ich musste für meine Teddybärensammlung Geld verdienen. Ich war schon immer eine Händlernatur. Schon mit 12 habe ich Kunst gekauft und weiterverkauft.

Waren Sie in der Schule der Streber?

Nein, im Gegenteil. Ich musste eher darauf achten, dass die Schule neben meinem Job im Auktionshaus nicht zu kurz kommt.

Können Sie sich immer durchsetzen oder werden Sie wegen Ihres Alters auch belächelt?

Klar, ist anfänglich immer Skepsis da, ich musste mich immer beweisen. Sobald die Leute meine Begeisterung gesehen haben, hat die Zusammenarbeit gut funktioniert. Ich schätze den Austausch mit erfahrenen Leuten sehr und suche aktiv ihren Rat.

Gelingt Ihnen der Ausgleich zum Berufsleben?

Ein Grossteil meiner Freunde bewegt sich auch in der Künstlerwelt, das erleichtert vieles. Ich besuche viele Vernissagen und verbinde so Arbeit mit Freizeit. Als Ausgleich zur Kunst reise ich gerne, gehe an Konzerte oder fahre Velo.

Was macht Ihre Generation aus?

Es ist eine Generation der 1000 Möglichkeiten und des globalen Austauschs. Heutzutage muss man sich sehr früh für einen Weg entscheiden, gleichzeitig ist die Konkurrenz viel grösser geworden. Früher ging man eher den klassischen Weg, heute steht Individualismus mehr im Vordergrund: Es geht nicht nur um geregeltes Einkommen, die Tätigkeit ist viel wichtiger. Arbeiten ist nicht nur Mittel zum Zweck, sondern Selbstverwirklichung.

Was ist Ihr persönliches Ziel?

Ich stehe noch ganz am Anfang, möchte aber gerne weiterhin im kreativen Bereich arbeiten. Ich habe auch banale Ziele wie gute Freundschaften, Reisen oder finanzielle Unabhängigkeit.

Ist Ihr Job eher Beruf oder Berufung?

Berufung. Ich habe mich erst ein Mal in meinem Leben für eine Stelle beworben. Ich bin immer meinen Interessen gefolgt und bin so zu meinen Anstellungen gekommen.

Was ist wichtiger, Sinn oder Status?

Der Sinn. Status alleine führt zu nichts.

Wie wichtig ist Ihnen Ihre Karriere?

Eine Karriere ist für mich nicht, möglichst viele Titel zu haben oder möglichst viel zu verdienen. Mir ist es wichtig, im Beruf weiterzukommen, Kunst einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Wie wichtig ist Ihnen Erfolg?

Na ja, ich habe schon viel Ehrgeiz.

Was wurde Ihnen in die Wiege gelegt?

Ich war immer sehr zielstrebig und hartnäckig. Mein Interesse für Menschen ist mir sicher auch zugutegekommen. Man muss wirklich mit den Leuten reden können und offen auf sie zugehen.

Hatten Sie auch Stolpersteine in Ihrem Leben?

Die gab es auch, ja. Ich habe mir oft Ziele zu hoch gesteckt und merkte dann, dass ich realistisch bleiben muss.

Wo sehen Sie sich in 30 Jahren?

Sicher noch im Kreativbereich. Vielleicht verbinde ich verschiedene Interessen und baue ein Hotel auf, das Ausstellungen zeigt. Oder ich gründe eine Magazin.

Autor: Silja Kornacher

Fotograf: Tanja Demarmels