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03. September 2012

«Ich liebe es, Alltägliches zu verfremden»

Mundartpoet, Musiker, Comiczeichner: Manuel Stahlberger lässt sich künstlerisch nicht gern festlegen. Nach zwei erfolgreichen Alben mit seiner Band Stahlberger wagt sich der Gewinner des Prix Walo und Salzburger Stiers nun an sein erstes Soloprojekt. Eines seiner amüsant-absurden Lieder handelt von den zwei Ausgängen «seiner» Migros Neumarkt in St. Gallen und dem daraus resultierenden Dilemma.

MEIN MIGROS-SONG: «Ich kaufe fast alles in der Migros Neumarkt. Da mein Bus nach Hause mit einer Minute Differenz sowohl beim Vorder- als auch beim Hinterausgang abfährt, muss ich genau kalkulieren, ob ich bei den Kassen hinten oder vorne anstehe. Der Song ‹Neumarkt› thematisiert dieses Dilemma.»

Name:

Manuel Stahlberger (38)

Sternzeichen:

Stier

Wohnort:

9000 St. Gallen


Hören Sie Manuel Stahlbergers Migros-Song

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Wieso wohnen Sie in St. Gallen?

Ich bin hier zur Welt gekommen, bisher gab es für mich keinen triftigen Grund, der Stadt den Rücken zu kehren.

Wo würden Sie gerne leben?

Wenn, dann eher in nördlichen denn in südlichen Gefilden. Skandinavien hat mir ferientechnisch gut gefallen – dort zu leben, wäre aber wohl etwas anderes.

Beruf und Lebenslauf:

Ich bin extrem ungern zur Schule gegangen, habe sowohl Gymnasium als auch die Stifti als wissenschaftlicher Zeichner abgebrochen. Stattdessen habe ich mich in eine Art künstlerische Parallelwelt geflüchtet, gezeichnet, Musik gemacht. Heute mache ich im Prinzip das Gleiche, wenn auch so erfolgreich, dass ich davon leben kann.

Was ich mag:

Frau und Kind, Kägi-Fret mit Bier.

Was ich nicht mag:

Die AFG-Arena, das Fussballstadion des FC St. Gallens. Ein seelenloser, gestalterisch schwacher Bau.

Was ich an mir mag:

Was ich heute an mir mag, nervt mich morgen vielleicht schon wieder – und umgekehrt.

Meine Bühnenvorbilder:

Ich bewundere Josef Hader und Joachim Rittmeyer, ohne aber jetzt wie sie sein zu wollen. Und Mani Matters raffiniert einfachen, oft absurden Texte haben mich ein Leben lang begleitet.

Meine Ideenfindung:

Oft genügt es, genauer hinzuschauen, um im Alltäglichen das Absurde zu entdecken.

Meine Bühnenpannen:

Meist läufts dann schief, wenn ich spontan etwas Neues versuche und mich dabei verrenne. Überspielen funktioniert da nicht, die Zuschauer merkens eh. Signalisiere ich aber, dass ich merke, dass sie merken, dass ich «im Seich» bin, kommts meist irgendwie gut.

Mein bester Entscheid:

Mit dem Schul- und Lehrabbruch dem System ein Schnippchen geschlagen und selber etwas ausprobiert zu haben. Zumal ich heute sagen kann: Ich finde es gut, wo ich stehe.

www.manuelstahlberger.ch

Autor: Almut Berger

Fotograf: Jorma Müller