Archiv
06. Februar 2012

«Ich lerne jeden Tag dazu»

Ruedi Jecklin ist Präsident der Genossenschaft «in buona compagnia». Vor fünf Jahren träumte er den Traum vom gemeinsamen Wohnen im Alter das erste Mal. Vor einem halben Jahr ist er mit seiner Frau in «sein» Wohnprojekt 55+ eingezogen.

Ruedi Jecklin
Ruedi Jecklin ist Präsident der Genossenschaft «in buona compagnia».

Ruedi Jecklin, grosses Kompliment. Sie haben als Laie ein Zwölf-Millionen-Projekt auf die Beine gestellt. Hand aufs Herz, würden Sie es wieder tun?

Auf jeden Fall. Es ist toll, hier zu wohnen. Was nicht heisst, dass mir nicht zwischenzeitlich immer wieder alles zu viel wird.

Sie sind immer noch Präsident der Genossenschaft, Vorstandsmitglied, aber auch einfach Bewohner und Nachbar. Führt das nicht zu Konflikten?

Das ist eine grosse Herausforderung. Bisher haben wir im Vorstand gewisse Dinge einfach entschieden, jetzt sind plötzlich ganz viele Leute da, die mitreden möchten. Das habe ich unterschätzt.

Das heisst?

Bis anhin haben wir zum Beispiel einfach einen Gartenbauer beauftragt, einen geeigneten Baum in den Garten zu pflanzen. Jetzt wohnen 40 Leute da, die dazu auch eine Meinung haben. Manchmal braucht es drei bis vier Sitzungen, bis ein Konsens gefunden ist.

Das klingt ganz schön anstrengend, oder?

Das ist es, aber auch spannend. Gruppendynamische Prozesse zu leiten fordert ganz andere Fähigkeiten, als ein Bauprojekt zu leiten. Ich lerne jeden Tag dazu.

Was denn zum Beispiel?

Besser zu kommunizieren. Das ist das Wichtigste, was ich in den letzten Monaten gelernt habe: Wenn es Probleme gibt, dann fast immer, weil man zu wenig miteinander geredet hat.

Wenn Sie für «in buona compagnia» einen ganz persönlichen Wunsch frei hätten, wie würde dieser lauten?

Eigentlich bin ich schon fast wunschlos glücklich. Schön wäre natürlich, wenn wir die letzten freien Wohnungen bald vermieten könnten.

Autor: Tanja Polli

Fotograf: Siggi Bucher