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22. Juli 2013

«Ich entschied mich für Airbnb, um die Wohnung zu finanzieren»

Alicia Mourgue d'Algue machte bisher mit Gästen nur gute Erfahrungen, allerdings wäre Airbnb in ihrer Siedlung in Midtown Manhattan offiziell verboten.

Alicia Mourgue d'Algue in ihrer Wohnküche
Alicia Mourgue d'Algue in ihrer Wohnküche in Midtown Manhattan.

Sie hat spanische und niederländische Wurzeln, eine Schweizer Mutter und einen französischen Vater. Vielleicht ist dieses Gemisch ein Grund, weshalb sich die Doppelbürgerin Alicia Mourgue d'Algue in aller Welt wohlfühlt. Die 24-Jährige, die in Genf aufgewachsen ist und zwei Jahre in London lebte, zog 2011 nach ihrem Studium in Business Management in Boca Raton von Florida nach New York. «Als ich in New York ankam, wohnte ich mit meinem Bruder. Er aber wollte als Künstler und Galerist zurück in die Schweiz. Um die Wohnung zu finanzieren, habe ich mich für Airbnb entschieden», sagt sie. Ihr ging es damit ähnlich wie den Airbnb-Gründern.

Der Midtown-Wohnkomplex
Der Midtown-Wohnkomplex von der Strasse aus gesehen.

Sie lebt in einer Dreizimmerwohnung mit Gäste-WC, hohen Decken, Holzböden, einem Cheminée und viel Charakter. An einer Wand ist ihr Velo angelehnt. Die wenigen Autos, die auf der Strasse vor dem Haus in der Nähe der Kong Olav Kirke und dem Pierre Loti Café in Midtown durchfahren, verursachen nur ein harmloses Rauschen. Midtown von Manhattan sei im Gegensatz zu New Yorker Trendvierteln wie Soho viel preiswerter. Alicia muss für ihre Wohnung trotzdem monatlich 3300 Dollar Miete hinblättern. Gäste, die ein Zimmer in ihrer Mietwohnung buchen möchten, zahlen 100 Dollar, eine zweite Person 15 Dollar zusätzlich plus Reinigungskosten. Das ist im teuren Pflaster New York ein Schnäppchen, was der Hotellobby ein Dorn im Auge ist. Prompt versucht diese, den Untervermietern Angst einzuflössen, weil es in New York – dem beliebtesten Ort der Schweizer Airbnb-Kunden – offiziell verboten ist, Wohnungen an Touristen unterzuvermieten. «Das wusste ich nicht, sonst hätte ich meinen Vermieter gefragt», sagt Alicia.

Alicia Mourgue d'Algues New Yorker Schlafzimmer
In Alicia Mourgue d'Algues New Yorker Schlafzimmer.

Schlechte Erfahrungen mit Gästen habe sie keine gemacht, weil der Internet-Auftritt von Airbnb so konzipiert sei, dass man als Vermieter wisse, wer ins Haus komme. Als sie ihre Wohnung über Weihnachten vermietete, haben die Gäste ihr sogar einen DVD-Spieler als Geschenk hinterlassen. Noch etwas hat die junge Doppelbürgerin überrascht: «Ich hätte nie gedacht, wie viele Besucher in der Wohnung kochen wollen. Meist bereiten sie Pasta und Salat zu. Ein Paar hat mich einmal zu einem Glas Wein in meinem eigenen Appartement eingeladen …»

Alicia wird in diesen Tagen New York verlassen und nach London ziehen, «weil ich nicht ein Leben lang als Assistentin für ein Beratungsunternehmen arbeiten will.» Sie möchte dann ebenso ihr Londoner Zuhause über Airbnb ausschreiben.

Autor: Reto Wild

Fotograf: Franca Pedrazzetti