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26. März 2012

«Ich bin eine routinierte Fahrerin»

Frauen können nicht seitwärts parkieren? Das sieht Djulija Gajic anders. Die Zürcherin gewann Mitte März die «Women Parking Challenge» und ist nun offiziell «Parking Queen».

Seitwärtsparken ist für die KV-Stiftin Djulija Gajic (22) kein Problem.
Djulija Gajic (22) ist die beste Seitwärtsparkiererin der Schweiz. Die KV-Stiftin aus Zürich darf nun ein halbes Jahr lang gratis ein Mercedes-Cabriolet fahren.
Djulija Gajic (22) ist die beste Seitwärtsparkiererin der Schweiz. Die KV-Stiftin aus Zürich darf nun ein halbes Jahr lang gratis ein Mercedes-Cabriolet fahren.

Djulija Gajic, warum haben Sie sich bei der «Women Parking Challenge» angemeldet?

Meine beste Freundin Lydia hat in «20 Minuten» ein Inserat gesehen, und gleich an mich gedacht. Aus Blödsinn haben wir dann den Artikel «gefötelet» und auf meinem Facebookprofil gepostet. Als mich daraufhin all meine Kollegen aufgefordert haben, mich zu bewerben, hab ich gefunden, easy, stell ich halt was zusammen und schick es ein.

Insgesamt hatten sich 1000 Frauen beworben, 27 konnten schliesslich antreten. Wie haben Sie gepunktet?

Keine Ahnung, so originell war meine Bewerbung gar nicht. Vielleicht hat es daran gelegen, dass ich das Titelblatt inklusive des Fotos von mir in Pink gestaltet habe. Auf einem zweiten Blatt hab ich dann in sechs kurzen Sätzen geschrieben, wo meine Stärken beim Autofahren liegen. Ich war recht überrascht, als sich der Veranstalter bereits am nächsten Tag bei mir gemeldet hatte.

Beim Wettbewerb ging es darum, möglichst rasch und präzise einen Mercedes-Benz SLX Roadster seitlich zwischen zwei Lieferwagen einzuparkieren. Sie haben 24 Sekunden gebraucht. Haben Sie extra trainiert?

Nicht wirklich. Ich bin eine routinierte Fahrerin, pendle täglich von Zürich nach Rümlang zur Arbeit. Am Abend vor der Challenge hab ich aber trotzdem noch mit meinem Vater auf dem Beifahrersitz ein paar Mal einparkiert. Er hat ein gutes Auge. Und er hat mich schon als Kind in den Ferien auf den nicht stark befahrenen Strassen seiner Heimatstadt Banja Luka rumkurven lassen.

Eine Ihrer Konkurrentinnen hat aus Nervosität einen der Lieferwagen touchiert. Hatten Sie schon einmal einen Kratzer im Lack?

(Lacht) Es war leider mehr als nur ein Kratzer. Ich bin, gleich nachdem ich die Fahrprüfung bestanden habe, auf ein vor mir abbiegendes Auto aufgefahren. Die Sonne blendete, und ich realisierte zu spät, dass der andere den Blinker gestellt hatte, zumal auch noch gleichzeitig ein Taxi aus einer Seitenstrasse rausfuhr.

Sie lernen in einem metallverarbeitenden Betrieb mit einem grossen Männerüberhang. Wie waren die Reaktionen Ihrer Kollegen auf Ihren Sieg?

Sie haben sich mit mir gefreut. Mein Chef hat sogar eine Meldung auf unsere Firmenwebsite gestellt. Und den paar wenigen , die im Vorfeld Sprüche im Stil von «Frau am Steuer ...» gemacht haben, denen hab ichs ja dann gezeigt.

Im Kanton Zürich bestehen gerade einmal 60 Prozent der Prüflinge die Fahrprüfung auf Anhieb. Wie viele Anläufe haben Sie gebraucht?

Zwei. Beim ersten war ich wohl etwas zu rassig unterwegs.

Sie dürfen das Cabriolet bis Ende September behalten. Haben Sie schon Reisepläne?

Erst für ein paar Wochenendtrips. In die Sommerferien nach Kroatien werde ich aber voraussichtlich fliegen.

Um definitiv beweisen zu können, dass Frauen gleich gut parkieren wie Männer, müssten sie gegeneinander antreten. Wären Sie dabei?

Auf jeden Fall!

Und wer würde das Rennen machen?

Eine Frau natürlich. Es müsste aber schon eine sein, die das Autofahren im Blut hat. In der Regel ist es ja tatsächlich so, dass Frauen schlechter Auto fahren als Männer, vom Parkieren ganz zu schweigen.

Das sagt die «Parking Queen» der Schweiz?

Das ist meine Einschätzung.

Autor: Almut Berger