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12. März 2012

Ich bin dann mal nebenan

Junge Schweizerinnen und Schweizer ziehen in der Regel mit 21 Jahren von zu Hause aus. Aber weit kommen sie nicht.

Zügelwagen überflüssig
Zügelwagen überflüssig: Die erste eigene Wohnung liegt meist in der Nähe der Eltern. (Bild: Getty Images/Vincent Besnault)

Verhältnismässig früh ziehen junge Schweizerinnen und Schweizer aus dem elterlichen Haushalt aus. Mit 21 Jahren hat sich die Hälfte den Traum von der eigenen Wohnung erfüllt und zieht entweder mit einem Partner zusammen, allein in eine Wohnung oder in eine Wohngemeinschaft. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Vergleichsdiensts Comparis. Interessant: Nur ganz wenige, nämlich fünf von hundert Jugendlichen, verlassen den elterlichen Haushalt, weil die Eltern nerven oder weil diese sie rauswerfen.

«Der Auszug ist meist nicht ein Abwenden von den Eltern, sondern ein Hinwenden zum Beruf und einem eigenen Lebenslauf», sagt Philipp Ramming (55), Berner Fachpsychologe für Kinder- und Jugendpsychologie. Schweizer Jugendliche ziehen im europäischen Vergleich eher früher von zu Hause aus. So lassen sich etwa die Ragazzi im südlichen Nachbarland Italien gut zehn Jahre länger im Hotel Mama verwöhnen.

Auffällig: Auch die nestflüchtigen Schweizer bleiben in der Nähe der Eltern. 70 Prozent der Befragten leben nach dem Auszug im selben Kanton, 28 Prozent sogar in der gleichen Ortschaft wie ihre Eltern. «Das ist ein Kompliment für das Umfeld», sagt Philipp Ramming. Und: «Die jungen Menschen sind lokal verwurzelt, das verbessert ihre Voraussetzungen, um auch politische Verantwortung für die Heimat zu übernehmen.»

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Die Umfrage: Frühzünder oder Nesthocker? Wann sind Sie aus dem Elternhaus ausgezogen?

Autor: Thomas Vogel