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23. Juli 2012

How I Met Your Mueti

Bänz Friedli versucht auszumisten.

Immer dasselbe: In Sommern mit Fussballendrunden kann ich meine Bikinifigur eh vergessen. Man hat dann halt in den ersten Sommerwochen viel zu oft vor dem Fernseher gesessen und sich dazu das eine oder andere ungesunde Getränk genehmigt. (Aber wie anders wäre die bittere EM-Finalniederlage der Azzurri sonst zu ertragen gewesen? Ich habe sie in vielen Bieren ertränkt.) Jedenfalls ist es nach dem Endspiel Anfang Juli dann jeweils für eine Diät zu spät. In der Badi liege ich deshalb, damit man selbigen nicht sieht, auf dem Bauch und blättere, weil ich als Hausmann in Frauenthemen à jour bleiben will, in der «Brigitte». Und da stehts: Espadrilles sind der Sommertrend! «Was, Vati? Was, Aspedriii?», fragt Hans und beugt sich ebenfalls über mein Heftli. «Nein, Hans, nicht Aspedriii», korrigiert Anna Luna, «Espadrill!» Ich nörgle: «Nicht drill, drii, dänk, französisch!» Schon lesen wir zu dritt und alsbald, da auch meine Frau sich ins Gespräch mischt, zu viert.

Für eine Diät ist es Anfang Juli zu spät.

Jetzt kommt diese Mode also wieder! Espadrilles sind der Renner des Sommers! Besser gesagt: der Schlurfer. Denn gehen konnte man ja nicht richtig in diesen farbigen Reinschlüpfsommerfinken mit der Sohle aus geknüpftem Flachs. Aber das entsprach just unserem Zeitgefühl als Jugendliche in den 70er-Jahren, man gab sich gern ein bisschen weggetreten und betont lässig. Und natürlich war es Pflicht, seine «Spädle», wie wir sie nannten, möglichst abgetschirggt zu tragen.

«Für eine Diät ist es Anfang Juli zu spät.»
«Für eine Diät ist es Anfang Juli zu spät.»

«Was, Vati, warum ‹wieder›? Was, Mueti? Wieso?», löchern die Kinder und können nicht glauben, dass diese Schuhe vor einer Ewigkeit schon mal der letzte Schrei waren. Sie wollen selbstverständlich welche und beraten schon über die Farbe. Was uns Eltern betrifft, hat meine Liebste eine gute Faustregel: Man möge eine Mode, die man schon einmal mitgemacht hat, kein zweites Mal mitmachen. Ihren Rat befolgte ich bei der Renaissance der Rüeblijeans, später bei den Röhrlijeans, den schwarzen Lederjacken — und bei den Flipflops sowieso. Frühere Moden sind ja im Rückblick stets enorm peinlich. Man denke nur an die eigene Frisur von 1987! (Und wenn Sie da noch nicht auf der Welt waren, haben Sie Schwein gehabt.) Hat man tief im Keller das Relikt einer früheren Mode sogar noch eingemottet, handelt es sich hierbei um das eigentliche Corpus Delicti einer einstigen Modesünde, und es fragt sich einzig, weshalb man sich nicht längst davon getrennt hat …

Da kam der Kleidersammlungssack letzthin gerade recht. Hans hilft mir beim Ausmisten des Mottenschranks: alte Mäntel, ausgetragene Hemden, eine Skijacke, völlig démodé. «Und die da! Nein, ich glaubs nicht!», kommentiere ich lachend. «Diese Lederhosen trug ich beim allerersten Rendez-vous mit eurer Mutter.» Und das, geneigtes Publikum, ist 20 Jahre her. Den Kindern — Anna Luna ist inzwischen dazugestossen — muss es vorkommen wie eine Szene aus ihrer geliebten Serie «How I Met Your Mother» (die, wie ich leider zugeben muss, wirklich saulustig ist). «Weg damit!», rufe ich. Aber die Kinder, unisono: «Nein, Vati, die nicht! Bitteeee!» Also schlummern sie weiter zuunterst in unserem Keller vor sich hin, meine fürchterlichen Lederhosen. Bis sie wieder mal in Mode kommen.

Und sollte ich dann gar in Versuchung geraten, sie anzuziehen, fragt sich einzig, ob sie mir noch passen …

Bänz Friedli (47) lebt mit seiner Frau und den beiden Kindern in Zürich.
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Autor: Bänz Friedli

Fotograf: Bänz Friedli