Archiv
22. April 2013

Hopp de Bäse!

Am 30. April ist es wieder so weit: Die Hexen tanzen ums Maifeuer, um böse Geister zu vertreiben. Zwei Frauen aus dem Emmental wollen die Walpurgisnacht mit allen Hexenfreunden feiern.

Walpurgisnacht
Der Tanz ums Feuer gehört zur Walpurgisnacht.

IHRE WALPURGISNACHT
Erzählen Sie uns von einem persönlichen Walpurgisnachterlebnis und gewinnen Sie eines von 25 Büchern «Die kleine Hexe», zur Verfügung gestellt von exlibris.ch.
Zum Wettbewerb und den Infos zum Klassiker des kürzlich verstorbenen Autors Otfried Preussler.

Eine alte Bauernregel besagt: Ist die Hexennacht voll Regen, wirds ein Jahr mit reichlich Segen. «Für unseren Hexentanz wünschen wir uns natürlich gutes Wetter», sagt Nicole Heimgartner (30). Sie organisiert mit ihrer Arbeitskollegin Regina Gilgen (50) eine Walpurgisnacht. Stattfinden soll der Tanz in den Mai am Abend des 30. April im 1000-Seelen-Dorf Dürrenroth im Emmental. Für einen Abend werden Nicole Heimgartner und Regina Gilgen nur noch die Hexen Nera sein. So nennen sie ihre Gruppe.

Die Hexen Nicole Heimgartner (links) und Regina Gilgen freuen sich auf die Walpurgisnacht. Dann wollen sie den Menschen die Hexenlehre näherbringen.
Die Hexen Nicole Heimgartner (links) und Regina Gilgen freuen sich auf die Walpurgisnacht. Dann wollen sie den Menschen die Hexenlehre näherbringen.

«Wir sind nicht solche, die laut mit Zaubersprüchen um uns rufen», stellt Nicole Heimgartner klar. Gläserrücken und negative Hexenrituale seien auch nichts für die beiden. Sie leben nach dem Prinzip der dreifachen Wiederkehr: Alles, was von einem ausgeht, fällt dreifach auf einen zurück. So versuchen die beiden Reinigungsfachfrauen, möglichst viel Positives auszustrahlen. Ihr Lieblingszauberspruch: «Mit der Kraft von drei mal drei mach die Augen klar und frei.» Besonders über Kräuterheilkunde tauschen sich die Hexen oft aus. Sie arbeiten gern im Garten, stellen selbst Tee her. Nicole Heimgartner glaubt an die heilende Kraft von Kräutern. «Doch wenn meine Kinder richtig krank sind, bekommen sie auch Antibiotika.» Sie räuchert regelmässig ihr Haus aus, um negative Energien zu vertreiben.

«Meine Freunde nennen mich Häxli», erzählt Regina Gilgen. Die Frauen werden auch wegen ihres Äusseren oft als Hexen bezeichnet, beide haben unter ihren Perücken rote Haare. Die von Nicole Heimgartner sind naturrot. «Als Kind wurde ich deswegen oft gehänselt und Hexe genannt. Seither beschäftige ich mich mit dem Thema.»

Auch von den dunklen Kapiteln der Hexengeschichte berichten

Für die Walpurgisnacht haben die beiden sich intensiv in die Geschichte der Hexenverbrennung eingelesen. «Besonders das Schicksal der letzten hingerichteten Hexe Anna Göldi ist uns sehr nah gegangen», berichten sie. Auch von diesem traurigen Kapitel der Hexen möchten die Frauen an der Walpurgisnacht erzählen.

Den idealen Ort für die Walpurgisnachtfeier im Wald haben die beiden Hexen schon gefunden.
Den idealen Ort für die Walpurgisnachtfeier im Wald haben die beiden Hexen schon gefunden.

Hexenfans kommen in der Schweiz nicht nur in der Walpurgisnacht auf ihre Kosten: Im aargauischen Auenstein gibt es ein eigenes Hexenmuseum. Auch der Hexenkult wird immer noch rege praktiziert. Dafür gibt es eine eigene Naturreligion: Wicca, altenglisch für Hexe, nennt sich diese Glaubensrichtung. Den Wiccas offiziell angehören wollen Nicole Heimgartner und Regina Gilgen aber nicht. Sie haben für die Walpurgisnacht ihren eigenen Hexenzirkel ins Leben gerufen. Diesen wollen sie in Zukunft rege pflegen. Bald wollen sie noch weitere Mitglieder aufnehmen. «Wir wurden mehrmals darauf angesprochen, ob wir Leute in den Zirkel aufnehmen», erzählt Nicole Heimgartner. Sogar ein Geschäftsmann habe ihnen «Löcher in den Bauch» gefragt. «Klar, auch Männer sind herzlich willkommen», sagt Regina Gilgen.

Tanz um das Feuer, Maibowle und Schneckenschleim

Die Organisation der Walpurgisnacht ist ein lang gehegter Traum für die Frauen. Sie haben sich bei der Arbeit im Hotel Bären in Dürrenroth kennengelernt und treffen sich nun auch privat: Bei einem Tee tauschen sie sich über Rituale aus und lesen sich gegenseitig vor. «Wir nehmen die Walpurgisnacht sehr ernst. Wir wollen das Ganze nicht ins Lächerliche ziehen, die Leute sollen wissen, dass wir nicht einfach ein Saufgelage veranstalten», sagt Nicole Heimgartner.

Auch der Tanz um das Feuer gehört zur Walpurgisnachtfeier.
Auch der Tanz um das Feuer gehört zur Walpurgisnachtfeier.

An der Walpurgisnacht wollen sie von alten Sagen erzählen und eigens kreierte Hexengerichte wie «Schneckenschleim» und Maibowle servieren. Auch der Tanz um das Feuer gehört dazu. «Toll wäre es, wenn die Leute verkleidet kämen, es ist aber kein Muss», sagt Regina Gilgen. Die beiden wollen die Walpurgisnacht dazu nutzen, den Menschen die Hexenlehre näherzubringen.Die Reaktionen waren bisher weitgehend positiv. Natürlich sind einige irritiert über die Hexen Nera: «Als wir verkleidet durchs Dorf gegangen sind, haben uns die Leute schon komisch angeschaut.» Nicole Heimgartners kleine Kinder finden es aber toll, dass ihr Mami eine Hexe ist. Auch die erwachsenen Kinder von Regina Gilgen unterstützen die Mutter bei ihrem Hobby. Und die Ehemänner? Die stehen voll hinter ihren «Häxli».

Nun setzen die beiden aufs Wetterglück für ihre Hexenfeier und darauf, dass die Bauernregel irrt. «Ich hoffe, dass es auch bei gutem Wetter ein erntereiches Jahr wird», sagt Nicole Heimgartner und streicht über ihren Besen.

Infos und Anmeldung bis zum 28. April unter: nicole.heimgartner@gmx.ch

Autor: Silja Kornacher

Fotograf: Raffael Waldner