21. Oktober 2013

Historische Funde in der Schweiz

In den letzten Jahrzehnten tauchten hierzulande viele bedeutende archäologische Funde auf. Darunter die älteste Alphütte des Landes, Silber- und Goldschätze oder ein über 200'000 Jahre altes Werkzeug.

Goldschatz von Erstfeld
Goldschatz von Erstfeld.

Gerade mal zwei Monate ist es her, als Archäologen im Kanton Uri einen sensationellen Fund gemacht haben und eine 2700 Jahre alte Alphütte mit antiken Schmuckstücken entdeckten. Daneben gab es in den letzten Jahrzehnten viele weitere historische Funde: Zum Beispiel ein ganzes Kloster oder eine steinzeitliche Jägerausrüstung. Migrosmagazin.ch stellt zehn sensationelle archäologische Entdeckungen aus den letzten 100 Jahren vor.

Ältestes Werkzeug der Schweiz

Faustkeil von Pratteln (Bild: ©Archäologie und Museum Baselland)

Der Faustkeil von Pratteln wurde 1974 gefunden. Er besteht aus braunem Silex und ist etwa 18 Zentimeter lang und 1,1 Kilogramm schwer. Die Allzweckwaffe wurde vor 200'000 bis 300'000 Jahren zum Spalten, Hacken, Schaben und Schneiden eingesetzt und gilt als das älteste Werkzeug der Schweiz.

Pfahlbauten im Mittelland

An zahlreichen Fundstellen rund um die Seen im Schweizer Mittelland fanden Archäologen Pfahlbauten – 111 davon gehören seit zwei Jahren zum Unesco-Weltkulturerbe. Das Schweizer Fernsehen stellte das Leben von Pfahlbauern in einer mehrteiligen Dokumentationssendung nach. Der jüngste Fund aus dem Jahr 2003 ist eine Siedlung von Kehrsiten im Kanton Nidwalden.

Steinzeitliche Jägerausrüstung

Historische Fundstelle am Schnidejoch (Bild: Keystone/Archäologischer Dienst Kanton Bern)

Auch die Schweiz hatte ihren «Ötzi»: Auf dem Schnidejoch, einem Gebirgspass im Wildhornmassiv im Kanton Bern, wurde im Jahr 2003 eine fast vollständige Ausrüstung eines Jägers gefunden. Sie stammt aus der Zeit zwischen 2900 und 2600 vor Christus. Insgesamt entdeckten Archäologen auf dem 2756 m ü. M. gelegenen Pass 46 jungsteinzeitliche Fundstücke. Laut Fachleuten der Universität Bern sind die gefundenen Kleider, Köcher und Pfeile die ältesten Fundstücke der Alpen und damit rund 1000 Jahre älter, als das Hab und Gut des berühmten Ötzi.

Keltisches Heiligtum

Im Jahr 2006 wurden in Le Mormont VD ein keltisches Heiligtum mit über 260 Opfergruben entdeckt, die aus dem 2. und 1. Jahrhundert vor Christus stammen. Das Ausmass ist laut der Nationalen Informationsstelle für Kulturgüter-Erhaltung (NIKE) von europäischer Bedeutung. Zudem tauchte bei den Grabungen weiteres Fundmaterial auf, wie Keramikgefässe, Werkzeuge, Schuck sowie ein vollständiges Pferdeskelett.

Goldschatz von Erstfeld

Goldschatz von Erstfeld (Bild: ©Schweizerisches Nationalmuseum)

Vier Keltische Hals- und drei Armringe aus zu 95 Prozent reinem Gold gehören zum berühmten Goldschatz von Erstfeld, der 1962 von italienischen Bauarbeitern entdeckt wurde. Zusammen wiegen die Schmuckstücke 640 Gramm und haben mit dem heutigen Goldkurs einen Wert von 25'000 Franken. Sie lassen sich im Landesmuseum in Zürich begutachten.

Kloster St. Johann

Das Benediktinerkloster St. Johann in Müstair GR wurde in karolingischer Zeit zwischen 600 und 900 nach Christus gegründet. Es ist heute noch sehr gut erhalten und zählt bereits seit 1983 zum Unesco-Weltkulturerbe. Laut dem Luzerner Kantonsarchäologen, Jürg Manser, läuft die archäologische Erforschung seit Jahrzehnten und ist noch nicht abgeschlossen.

Goldbüste Kaiser Marc Aurel

Wertvolle Goldbüste des Römischen Kaisers Marc Aurel (Bild: Keystone/Sieber)

1939 wurde die wertvolle Goldbüste des römischen Kaisers und Philosophen Marc Aurel in Avenches in der Kanalisation gefunden – ganz in der Nähe des Cigognier-Tempels, der zu Aventicum gehört. Die Büste ist 33,5 Zentimeter hoch und wiegt über 1,5 Kilogramm. Aurel lebte von 121 bis 180 nach Christus in Rom.

Älteste Schweizer Alphütte

In den ersten beiden Augustwochen diesen Jahres legen Archäologen auf dem Surenenpass im Kanton Uri die wahrscheinlich älteste Alphütte der Schweiz frei. Sie besteht aus einem einzigen rechteckigen Raum und ist 4,5 Meter breit und 8 Meter lang. Ein flaches Holzdach schützte die Bewohner vor fast 3000 Jahren vor Wind und Wetter. Des Weiteren fanden die Forscher eine römische Silbermünze im heutigen Wert von etwa 500 Franken.

Silberschatz von Kaiseraugst

Grösster Silberschatz der Spätantike aus Kaiseraugst (Bild: ©Augusta Raurica)

In Kaiseraugst, dem früheren Augusta Raurica, entdeckte ein 12-jähriger Schüler gut ein Dutzend silbrige Gegenstände. Laut Wikipedia zeigte er einen davon seinem Lehrer, der ihm riet, diesen wegzuwerfen. Dabei handelte es sich ausgerechnet um eines der Prunkstücke des Schatzes, der insgesamt 270 wertvolle Objekte enthält.

Skulpturenfund in Bern

Auf der heutigen Berner Münsterplattform wurden im Jahr 1986 Fragmente von etwa 550 Steinskulpturen entdeckt, die im Jahr 1528 bei einem sogenannten Bildersturm absichtlich zerstört worden waren. Der Fund ist heute im Historischen Museum in Bern ausgestellt.

www.archaeologie-schweiz.ch
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