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19. Mai 2014

Himmel und Hölle

Für die Kinder ein Spass
Für die Kinder ists ein Spass, für die Eltern oft weniger ... (Bild Fotolia)

Wenn ich mal wieder reif für die Insel bin, dann träume ich von einem perfekten Eiland: weisser Korallensand, kristallklares Wasser, unberührtes Hausriff, auf Robinson getrimmte Strandvilla, unsichtbares Personal und selbstverständlich eine perfekte Kinderbetreuung am anderen Ende der Insel. (Und die Insel ist seeeehr lange.)

Schon seltsam, dass meine Kinder eine komplett andere Vorstellung von dem perfekten Ort haben. Wenn Ida und Eva das Land ihrer Träume beschreiben sollen, dann passen ihre Schilderungen ganz verdächtig zu dem riesigen Indoor-Spielzentrum in unserer Nähe. Statt einfach nur wie die panierten Schnitzel im Sand zu liegen, hüpfen meine Beiden lieber auf einem Riesentrampolin, bis ihnen das Mittagessen (Schnitzel!) hochkommt. Statt in Gedanken durch Korallengärten zu schnorcheln, fahren sie lieber auf der Kinderkartbahn im Kreis. Selbstverständlich mit Vollgas. Oder sie baden in einem mit Bällen gefüllten Pool – oder sie beschiessen sich gegenseitig mit den Bällen. Total lustig, Mami! Krieg statt Frieden.

Statt die Stunden in der Spielhölle totzuschlagen würde ich viel lieber, unter Palmen liegend, einen frisch grillierten Fisch essen und einen Cocktail aus einer Kokosnusshälfte schlürfen. Aber nein, im Spieleldorado gibt es nur Chicken Nuggets mit Pommes frites und Ketchup. Oder Schnitzel mit Pommes frites und Ketchup. (Da ich kein Unmensch bin, würde ich meine Kinder nie zwingen, diesen runzeligen Apfel zu wählen, der alibimässig an der Essensausgabe liegt.)
«Also dann bitte drei Mal Pommes frites mit ohne Schnitzel, dafür aber mit viel Ketchup.»
«Macht 30 Franken.»
«Äh, ist der Ketchup bei Ihnen so teuer?»
Die Dame guckt mich verständnislos an, als hätte sie meine Worte nicht verstanden. (Unter uns: Ich tippe ja auf einen Hörsturz, was in Anbetracht der fürchterlichen Geräuschkulisse in der Spielhölle kein Wunder wäre …)

Er hat genug von der Rutsche
Er hat genug von der Rutsche, sie noch nicht. (Bild iStockPhoto)

Ja nun, nach dem Essen wollen Ida und Eva nochmals mit den Rennautos fahren.
«Macht einen Franken pro Jeton.»
«Aber wir haben doch schon einen halben Monatslohn beim Eintritt bezahlt.»
«Ja, kann schon sein. Aber bei uns darf jedes Kind nur ein Mal umsonst fahren. Ab dem zweiten Mal kostet es.»
«Okaaaaay, was ist noch alles nicht im Preis inbegriffen?»
«Eigentlich ist alles inklusive. Ausser die Rennbahn. Und die Spielekonsolen an der Wand. Und der Flipper kostet auch extra. Bevor ichs vergesse: natürlich auch das Essen und die Getränke.»
«Haben Sie auch Cocktails?»
«Äh, nein, äh, aber Sirup. Oder Rivella rot, blau, grün … vielleicht ein Bierchen?»
«Können Sie mir das Bier bitte in eine Kokosnussschale füllen?»

Autor: Bettina Leinenbach