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28. Juli 2014

Hilfe bei der Elternsuche

Nicht nur bei Kuckuckskindern, auch bei vielen Adoptierten wächst mit der Zeit das Bedürfnis, einen oder beide leiblichen Eltern kennenzulernen. Wer hilft weiter, und worauf gilt es anfänglich zu achten? Vier Porträts von Kuckuckskindern auf der Vatersuche und rechtliche Infos zu diesen Fällen finden Sie rechts.

Welche Interessen treffen aufeinander?
Vorab das Positive: Wenn man die Fälle von Vatersuchen der «Kuckuckskinder» auf alle gesuchten Eltern innerhalb der Schweiz ausdehnt, so ist das Interesse am Kennenlernen laut Adoption.ch in einer Mehrheit der Fälle durchaus gegenseitig.
Dennoch betonen Fachleute, zuvorderst die Schweizerische Fachstelle für Adoption mit Anlaufstellen am Schaffhauserplatz in Zürich sowie an der Pilatusstrasse 18 in Luzern, wie wichtig es sei, dass sich Elternsuchende vorab mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass ein leiblicher Elternteil keinen Kontakt wünscht. Auch wenn es dafür vielleicht biografisch verständliche Gründe gibt, ist ein solcher Bescheid für die Suchenden meist schwer akzeptierbar, wird er doch instinktiv als eine zweite Abweisung von Mutter und/oder Vater wahrgenommen. Auch wenn dieses Signal selten so gemeint sein dürfte.

Grundsätzlich gilt es zu bedenken, dass bei den meisten Elternsuchen drei verschiedene Gruppen von Betroffenen beteiligt sind. Die erste Partei hat vielleicht die klarste Rolle: Adoptierte Kinder möchten später leibliche Eltern(teile) kennenlernen – oder eben nicht. Als zweite Beteiligte erscheinen die leiblichen Eltern. Bei ihnen ist zwischen Abwehr, weil die Kinder oft zu schwierigen Lebensphasen gehören, bis zu freudiger Überraschung, da sie nach der Adoption eher mit Desinteresse oder gar Antipathie der Jugend rechnen, fast jede Reaktion möglich. Nicht zu vergessen die Pflegeeltern, die mal mit viel und mal mit weniger Verständnis auf die Bedürfnisse ihrer Zöglinge nach Kontakt zu biologischen Eltern reagieren.

Die unterschiedlichen Interessen beeinflussen staatliche Institutionen bei der rechtlichen Abwägung zwischen dem Recht auf Information und dem Recht auf Persönlichkeitsschutz. Und auch wenn Fachstellen, Beistände und Psychologen von einer Seite – meist den Suchenden – um Hilfe angefragt werden, wollen sie ihnen nicht schwer erfüllbare Hoffnungen machen und die Folgen nicht zustande gekommener Kontakte akzeptieren helfen.
Welche Informationen brauchts?
Hat man gar keine Daten zum gesuchten Elternteil, gestaltet sich die Recherche zumeist trotz Unterstützung von Fachstellen und Behörden eher schwierig. Hingegen stehen die Chancen weit besser, verfügt man über folgende Infos:

Fast unabdingbar: Kenntnis von Geburtsort und –zeit (falls verfügbar auf dem Geburtsschein)
Name und Vorname der gesuchten Person sowie deren Jahrgang oder wenn möglich Geburtsdatum

Hilfreich: Eine ehemalige Adresse der/des Gesuchten
Deren Heimatort
Name der für die Adoption zuständigen Vormundschaftsbehörde oder gar des Vormundes
Welcher Kontakt wird zu Beginn angestrebt?
Eine Fachstelle wie die Schweizerische für Adoption versucht nach der Kontaktaufnahme, für interessierte Adoptierte die Gesuchten überhaupt ausfindig zu machen. Danach besprechen sie mit den Suchenden gründlich das Vorgehen, erst danach melden sie sich bei den leiblichen Eltern und fragen sie um eine Kontaktaufnahme mit den Kindern an.
Wichtig ist dabei, dass Kontaktsuchende nicht bloss mit Information beliefert werden, sondern in mehreren Stufen begleitet werden. Deshalb macht es in der Regle auch Sinn, diese Anlaufstelle vor oder neben eigenen Recherchen bei Ämtern einzuschalten.
Neben einem Bremsen allzu euphorischer Erwartungen legen erfahrene Begleiter besonderen Wert darauf, die verschiedenen Optionen eines anfänglichen Kontakts aufzuzeichnen:

1. Anonyme Briefwechsel mit biologischen Eltern (über die Fachstelle)

2. Direkter brieflicher Austausch

3. Persönliches Treffen mit Begleitung der Fachstelle

4. Persönliches Treffen ohne Begleitung
INFO-MATERIAL UND HILFE Der Infoflyer der Schweizerischen Fachstelle für Adoption mit den Kontakten
Anmeldung und Formularbestellung für Elternsuchende auf Adoption.ch
Die Schweizerische Stiftung des Internationalen Sozialdienstes ist Anlaufstelle für im Ausland Geborene
Links zu bestehenden Selbsthilfegruppen

Autor: Reto Meisser